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Trinkschale des Augustin Kesenbrot, genannt Olmützer
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Trinkschale des Augustin Kesenbrot, genannt Olmützer

Süddeutschland, datiert 1508

Grünes Gewölbe

Inventarnummer

IV 40

Material und Technik

Gold, 22 römische Münzen

Maße

Durchmesser: 18,5 cm; Höhe: 5,1 cm

Objektbezeichnung

Trinkschale

Kommentar

Die 802 g schwere Goldschale, in die 22 römische Münzen eingelassen sind, ist in der Form einer antiken Patera gestaltet. Die Umschriften auf Vorder- und Rückseite der zentralen…weiterlesen

Kommentar

Die 802 g schwere Goldschale, in die 22 römische Münzen eingelassen sind, ist in der Form einer antiken Patera gestaltet. Die Umschriften auf Vorder- und Rückseite der zentralen Medaille verweisen auf den ursprünglichen Besitzer des kostbaren Gefäßes: „GENIO LIBEROQ. PATRI“ (Dem Genius [des Besitzers] und dem Vater Liber [Bacchus]) und „AVG OLMO SIBI ET GRATIAE POSTERITATI MDVIII“ (Augustinus aus Olmütz für sich und seine geschätzten Nachkommen 1508). Augustin Kesenbrot (1467 – 1513), seit 1497 Sekretär des Königs Wladislaws II. von Ungarn, war Mitglied der Gelehrten Donaugesellschaft, eines Kreises von Humanisten, die sich der Erneuerung der Künste und Wissenschaften im Geist der Antike verschrieben hatten. Auf dieses Gedankengut und den möglicherweise mit Hilfe des edlen Gefäßes zelebrierten Genuß von Wein bezieht sich eine weitere, den äußeren Rand der Schale umziehende Inschrift: „PHOEBIGENVM SACRATA COHORS ET MYSTICVS ORDO HAC PATERA BACCHI MVNERA LARGA FERANT PROCVL HINC PROCVL ESTE PROFANI“ (Die geheiligte Schar der Söhne Apolls und ihr geweihter Orden mögen mit dieser Patera reichliche Geschenke des Bacchus bringen. Uneingeweihte jedoch sollen ihr fernbleiben.) Nach dem Tod Kesenbrots erlebte die Goldschale ein wechselhaftes Schicksal, das sie in viele verschiedene Hände führte. Um 1700 soll das begehrte Gefäß für die Sammlung des kunstliebenden sächsisch-polnischen Kurfürst-Königs August des Starken erworben worden sein. Neuere Forschungen konnten weitgehende Veränderungen am Münzbesatz der Schale zwischen 1703 und 1752/53 nachweisen.