Abmessungen
H 13,3 cm, B 7,1 cm, T 6,3 cm; Sockel: B 6,4 cm, T 6,5 cm
Inventarnummer
VI 190
Am 2. Dezember 1709 wurde der Händler zum Grünen Gewölbe gegeben. Im Pretioseninventar von 1725 ist er mit seinem Warensortiment als »Savoyard« beschrieben. Diese Bezeichnung war im 18. Jahrhundert geläufig und bezog sich auf umherziehende Gebirgsbewohner aus Savoyen, die aus Not ihre Heimat verlassen hatten, um als Tagelöhner, Musikanten, Handwerker und reisende Händler ihr kärgliches Auskommen zu finden. Künstler von Rang, vornehmlich französischer Herkunft (François Boucher, Edmé Bouchardon, Gabriel de Saint-Aubin), griffen das Sujet immer wieder auf. Romantisch verklärt fanden diese Darstellungen als grafische Blätter reißenden Absatz.
Vergleichbares trifft auf die Elfenbeinfigur zu, die Köhler mit winzigen Waren ausgestattet und auf einem prachtvoll ausgeschmückten Postament platziert hat. Sie scheint mit Leichtigkeit ihre Traglast zu balancieren, die an einem schmalen Gurt aus emailliertem Gold hängt. Die Armhaltung des Händlers erklärt sich aus den Gegenständen, die er einst mit sich führte. So bot er ein Fernglas in der Rechten und eine Puderquaste in der Linken zum Kauf an. Die mit Diamantknöpfen verzierte Kleidung ist weder zerschlissen noch beschädigt. Indem er die Hutkrempe, die Aufschläge an den Ärmeln ebenso wie den Saum des fast knielangen Gehrocks und die leicht geöffnete Weste kunstvoll unter¬schnitten hat, stellte der Elfenbeinkünstler enormes Können unter Beweis, das sich gleichermaßen in der Figur des Scherenschleifers zeigt (VI 188). Eine enge Zusammenarbeit zwischen Goldschmied und Elfenbeinkünstler muss auch für den Händler vorausgesetzt werden. Allerdings war diese Statuette in ihrer Körperhaltung nicht zwingend für die Rolle als Händler vorbestimmt. Erst die Accessoires und schließlich der Warenbehälter haben sie dazu gemacht. Köhler besaß also einen gestalterischen Spielraum, um die Elfenbeinfigur ganz nach seinem Gusto zu interpretieren. Er hätte zum Beispiel auch einen Gärtner oder einen Boten daraus erschaffen können.
Literatur
Der Dresdner Hofjuwelier Johann Heinrich Köhler. Dinglingers schärfster Konkurrent, Ausst.-Kat. bearb. von Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Dirk Syndram, Ulrike Weinhold, Susanne Thürigen und Marion Ackermann, Dresden 2019, S. 114f, Nr. Kat.-Nr. 10, Abb. ja
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