Kendiflasche

Material und Technik
Abmessungen
H. ohne Deckel: 16,6 cm, B. 11,5 cm, T. 10,1 cm, D. Fuß: 6,5 cm
Inventarnummer
PE 726
Noch vor der Nacherfindung des weißen Porzellans aus China gelang dem Alchemisten Johann Friedrich Böttger gemeinsam mit dem Naturforscher Ehrenfried Walther von Tschirnhaus und dem Bergrat Gottfried Pabst von Ohain 1706 die Herstellung eines besonders harten Steinzeugs, das heute allein Böttgers Namen trägt.

Aus Böttgersteinzeug ist auch die Kendiflasche gefertigt; die Form wurde von einem ostasiatischen Original abgenommen. Die etwas dunklere Färbung der Materialoberfläche resultiert aus dem Brennvorgang. Die Gefäßform des Kendi war in Asien bereits viele Jahrhunderte in unterschiedlichen Materialien verbreitet. Sie ist charakterisiert durch einen bauchigen Korpus mit schmalem langen Hals und einem seitlich angesetzten kurzen Ausguss. Die beiden Öffnungen ermöglichen es, entweder zu gießen oder zu trinken. Im Buddhismus dienten Kendis auch als Ritualgefäße für geweihtes Wasser.

Der Meissener Kendi hat einen Ausguss in der Form eines Drachenkopfes und ist mit Reliefdekorationen verziert, die auch symbolisch zu deuten sind: Dem Reishi- oder Lingzhi-Pilz unter dem Ausguss wird eine heilende und lebensverlängernde Wirkung zugeschrieben, das so genannte Ruyi-Muster am Fuß ist ein Glückssymbol und auch die Pflanzen auf dem Bauch haben bestimmte symbolische Bedeutungen. Auf dem Hals sieht man zwei Drachen, die der Perle des Glücks – oder dem Wunschjuwel – nachjagen.

Dass den Inventarschreibern diese symbolischen Inhalte und die eigentliche Funktion des Gefäßes geläufig waren, ist zu bezweifeln, bezeichneten sie das Gefäß im Inventar des Japanischen Palais doch als „hohe Thée Kannen mit langen Hälsen und kurzen Schnäuzgen“.

Die Palaisnummer auf der Unterseite weist das Stück als Teil der historischen Sammlung Augusts des Starken und Augusts III. im Japanischen Palais aus.
(Sabine Peinelt-Schmidt, 2021)
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
Ungemarkt
Creditline
Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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