Porträt einer jungen Frau aus Tahiti im gepunkteten Mother-Hubbard-Kleid (Kniestück sitzend en face)

Garrett, Andrew (1823-1887) - Sammler
Ort, Datierung
Abmessungen
Glasplatte: 8,2 x 7 cm, Etui geöffnet: 9,3 x 16,3 x 1,9 cm, Etui geschlossen: 9,3 x 8,1 x 1,9 cm
Inventarnummer
PhPo 367
Seit 1885 befindet sich eine bedeutende Fotokollektion im Leipziger Museum für Völkerkunde: 45 Porträts von Menschen aus Tahiti, Fidschi und Hawai’i. Entstanden in den 1860er Jahren im Unikatverfahren der Ambrotypie, geben sie nicht nur Einblick in die Medienhistorie, sondern erzählen im Changieren zwischen individuellem Porträt und „Typenaufnahme“ vom ambivalenten Verhältnis zwischen Fotografie und Ethnologie.
Die Ambrotypien entstanden für das Museum Godeffroy im Hamburg, das 1861 vom Handelshaus Johann Cesar Godeffroy & Sohn gegründet wurde. Nach dem Konkurs der schwerpunktmäßig in Ozeanien als Ort kolonialer Bestrebungen tätigen Firma 1879 wurde ein Großteil der Ethnografika samt rund 500 Fotografien an das Museum in Leipzig verkauft.
Die Verwendung der Ambrotypie zu diesem frühen Zeitpunkt im Südpazifik ist ungewöhnlich, da die Technik aufwendig war. Das 1852 entwickelte Verfahren wurde überwiegend für Porträtfotografien eingesetzt und fand vor allem in den USA und in England Verbreitung. Im Nassen Kollodiumverfahren entstandene Negative werden schwarz hinterlegt, sodass sich die Hell-Dunkel-Werte umkehren. Aufbewahrt werden sie in kleinen, mit Samt ausgefütterten Etuis.
Von westlichen professionellen Fotografen betriebene stationäre Studios etablierten sich im südpazifischen Raum erst ab Mitte der 1870er Jahre. Die Fotografen jener Ambrotypien aus dem Museum Godeffroy – vermutlich Reisende und Forscher – arbeiteten also unter improvisierten Bedingungen. Unter ihnen war auch der amerikanische Naturforscher Andrew Garrett, der nach jetzigem Erkenntnisstand 28 dieser Bildnisse fertigte.
Individuelle Geschichten klingen in den „Gesichtern auf Glas“ nur leise an; die Namen der Porträtierten sind nicht überliefert. Als Medium der visuellen (Re-)Präsentation zeigen die Ambrotypien im ethnologischen Verständnis Vertreter*innen „anderer“ Kulturen, zugleich aber sind sie Zeugnis der Selbstbehauptung in einer Situation ungleicher Machtbedingungen (Agnes Matthias).
Kultureller Kontext
Polynesier
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
bez. mit Feder in schwarzer Tusche auf aufgeklebtem Zettel auf dem Etuideckel außen Mi. o.: "Tahiti", bez. auf eingeklebtem Zettel im Etuideckel innen Mi.: "Nr. 18 / Tahitianerin", bez. auf beigelegtem Zettel mit Feder in schwarzer Tusche: "A fullblood / Tahiti woman / living with a white / man / 18"
Literatur
Gesichter auf Glas: Frühe Südsee-Fotografien aus dem Museum Godefftoy, Ausst.-Kat. hg. von Angelica Hoffmeister-zur Nedden, Dresden 2018, S. 65, Abb. 24 (farbig)

Gesichter auf Glas: Frühe Südsee-Fotografien aus dem Museum Godefftoy, Ausst.-Kat. hg. von Angelica Hoffmeister-zur Nedden, Dresden 2018, S. 26, Abb. 5 (Kat.23/farbig)
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