Das Goldene Kaffeezeug

Dinglinger, Johann Melchior (1664-1731) | Juwelier Dinglinger, Georg Friedrich (1666-1720) | Emailleur Heermann, Paul (1673-1732) | Bildhauer
Ohne direkten Auftrag hatte Johann Melchior Dinglinger, der im Juni 1698 von August dem Starken zum Hofjuwelier ernannt wurde, ein außergewöhnliches Werk der Schatzkunst begonnen, das damals wie heute seinesgleichen sucht. Im Dezember 1701 brachte er das 50.000 Taler teure "CoffeZeug" auf königlichen Wunsch hin nach Warschau. Der Tafelaufsatz ist "mit mehr denn 5.600 Diamanten, nebst vielen Colerten steinen verziert" und erhebt sich in einem pyramidalen Aufbau, der insgesamt 45 Gefäße zu einem barocken Gesamtkunstwerk par excellence vereint. Sein inhaltliches Programm widmet sich der Darstellung der vier Elemente, die im Emaildekor und den Gravuren Gestalt annehmen. An hervorgehobener Stelle befinden sich mit den elfenbeinernen Figuren von Paul Heermann die Personifikationen des Wassers (Neptun), der Erde (Ceres), der Luft (Merkur) sowie des Feuers (Minerva). Als Ganzes verkörpert das Ensemble den Luxus der damals in aristokratischen Kreisen hochaktuellen Heißgetränke - auch wenn es tatsächlich wohl nie benutzt worden ist. In verschiedener Hinsicht nimmt Dinglinger künstlerische Entwicklungen vorweg. Noch vor der Erfindung des europäischen Hartporzellans durch Johann Friedrich Böttger 1709 imitieren die goldemaillierten Henkeltassen die glänzend weiße Oberfläche dieses Materials, um dessen Rezeptur man sich damals nach Kräften bemühte. Die Bemalung mit den kleinen Chinesenfigürchen können zudem als frühe Zeugnisse der Chinamode gelten, die in Meißen in den 1720er Jahren mit den Höroldtschen Porzellanmalereien ihre Blütezeit erlebte. Und auch die pyramidale Anordnung der Gefäße ist ein zu jener Zeit neuartiges Gestaltungsprinzip, das in den Tafelaufsätzen des 18. Jahrhunderts vielfältig variiert werden sollte. So mag das Goldene Kaffeezeug damals geradezu avantgardistisch angemutet haben. Der Geniestreich des Hofjuweliers bildete den fulminanten Auftakt der augusteischen Kunst und spiegelte als erstes Werk die neuerworbene königliche Würde Augusts des Starken.
Abmessungen
H. 96 cm, B. 76 cm, T. 50 cm
Inventarnummer
VIII 203
Reproduktionsrechte
Wenn Sie Reproduktionsrechte an diesem Objekt erwerben wollen, nehmen Sie bitte hier mit uns Kontakt auf.
Feedback
Wenn Sie zusätzliche Informationen zu diesem Objekt haben oder einen Fehler entdeckt haben, dann schreiben Sie uns: Anmerkung verfassen
Auch interessant

Deckelpokal

Weber, Hannß

Deckelpokal
Deckelpokal Weber, Hannß

"Ende der Fröhlichkeiten", Kabinettstück

Dinglinger, Johann Melchior

"Ende der Fröhlichkeiten", Kabinettstück
"Ende der Fröhlichkeiten", Kabinettstück Dinglinger, Johann Melchior
Dresden - 3. Deutsches und 14. Mitteldeutsches Münzsammlertreffen
Dresden - 3. Deutsches und 14. Mitteldeutsches Münzsammlertreffen Güttler, Peter-Götz
Zum Seitenanfang