In seiner Abrechnung für die Neugestaltung der Brillantgarnitur Augusts des Starken erwähnte der Dresdener Hofjuwelier Johann Heinrich Köhler am 4. Juli 1724 die Lieferung eines „Mohren“, den er mit Körperschmuck, Federkrone und einer „Berg Stuffe“ ausgestattet hatte. Die aus Silbererzen und Edelsteinen des Kurfürstentums Sachsen kunstvoll gefügte Stufe sollte den Reichtum des Landes an Bodenschätzen dokumentieren. Köhler verlangte 31 Taler „Vor eine große zusammen getragene Berg Stuffe und eine verguldete Muschel worinne sie der Mohr träget“. Rechnet man die 164 Taler hinzu, die Köhler für den gesamten Schmuck des Mohren erhielt, war die Statuette, gemessen an den enormen Summen, die der Hofjuwelier Dinglinger für seine Meisterwerke bezahlt bekam, ein preiswertes Schatzkammerstück.Datierung und Signatur auf dem Holzsockel (BALTHASAR PERMOSER fecit 1712) wurden vermutlich erst zu Ende des 19. Jahrhunderts ergänzt. Die Statuette stammt nicht von der Hand des Dresdener Hofbildhauers, entstand aber recht sicher in dessen unmittelbaren Umkreis und zeitgleich zu dem künstlerisch bedeutenderen „Mohren mit der Smaragdstufe“ (VIII 303). Ihre Existenz verdanken beide Skulpturen dem Entschluss Augusts des Starken die Geheime Verwahrung im Dresdener Schloss ab 1723 zum barocken Schatzkammermuseum auszubauen. Alles spricht dafür, dass Permoser und Dinglinger in Gestalt des Mohren, der die von Kaiser Rudolf II. im Jahr 1581 geschenkte Smaragdstufe trägt, ein glanzvolles Vorbild schufen, auf das Köhler schließlich mit einem weniger virtuos gelungenen Pendantstück reagierte. Ob die beiden reich tätowierten amerikanischen Prinzen, die 1722 als Kriegsgefangene nach Dresden kamen, für die Mohrenstatuetten vorbildhaft gewirkt haben, entbehrt der Beweiskraft. Erst mit Vollendung des Juwelenzimmers im Frühjahr 1729 fanden die beiden Mohren-Statuetten, die durch ihren Kopf- und Körperschmuck als Ureinwohner Floridas zu identifizieren sind, ihren endgültigen Platz in der Schatzkammer.
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