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Globuspokal mit Herkules der den Erdglobus trägt

Lenker, Elias (-1671) - Goldschmied Schmidt, Johannes (1608-1647) - Graveur
Ort, Datierung
Material und Technik
Abmessungen
H 64,0 cm, Dm. Globus 20,5 cm, Dm. Fuß 19,3 cm, Gewicht: 4.849 g (mit Werk)
Inventarnummer
IV 294
Der Pokal besitzt ein Gegenstück mit Christophorus, der die Himmelskugel trägt (IV 290). Nicht ohne Weiteres ist ersichtlich, dass es sich bei den beiden Goldschmiedeplastiken um Trinkspiele handelt. Unter den hohen Sockeln, die naturalistisch als Waldboden mit Amphibien gestaltet sind, verbergen sich zwei kaum über die Bodenplatte hinausragende Zahnräder. Ein drittes, ungezähntes Rädchen ist als Führungs- oder Lenkrad schwenkbar befestigt. Mit Hilfe dieser Laufwerke war es möglich, die beiden Pokale, deren obere Globushälften abnehmbar sind, über die Tafel fahren zu lassen. Vermutlich musste derjenige, vor dem der Automat zum Stehen kam, die mit Wein gefüllte Kuppa austrinken.
Schon der Augsburger Patrizier und Kunstkenner Philipp Hainhofer (1578-1647) bewunderte am 16. September 1629 bei seinem Besuch der Dresdner Kunstkammer "Zway schöne von gantzem silber secundum longitudinem & latitudinem ausgethailte globj, welche als coelestis durch ain vhrwerckh von dem Hercule, terrestris aber vom atlante auf ainem tisch fortgetragen, vnd an stat trinckgeschirren gebraucht können werden." Auch in den Inventaren der Kunstkammer wird die Figur des heiligen Christopherus, dem Patron der Reisenden und Träger des Jesuskindes, fälschlicherweise als Atlas bezeichnet. Aus den Inventaren geht zudem hervor, dass die Globen bis in das 19. Jahrhundert vertauscht waren, so dass Herkules die Himmels-, Christopherus aber die Erdkugel trug. Die von dem Augsburger Silberstecher Johannes I Schmidt gravierten und mit Legenden versehenen so genannten sprechenden Globen vermittelten die damals aktuellsten Kenntnisse über Himmel und Erde. Der Himmelsglobus zeigt einen 1618 beobachteten Kometen; der Erdglobus folgt einem Vorbild des Amsterdamer Kartographen Jodocus Hondius (herausgegeben 1618 von Giuseppe de Rossi), auf dem neueste Entdeckungen berücksichtigt sind, so etwa die von Henry Hudson 1610 entdeckte und nach ihm benannte Hudsonbai (Kanada).
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
signiert: Johannes Schmidt
Reproduktion
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