Ort, Datierung
Material und Technik
Abmessungen
38 x 23,5 cm
Inventarnummer
C 1002
Sammlung Otto Link. - Werbezettel für eine Vorstellung der Kunstreitergesellschaft von Jacques Tourniaire am 1.3.1823 "in der Meitzenschen Reitbahn an der Promenade" in Breslau. Als Höhepunkte werden angekündigt: "Der junge Benoit Tourniaire wird heute zum erstenmal: das Non plus ultra im größten Carriere auf drei Pferden ohne Sattel und Zaum mit größter Gewandtheit: den modernen Hypolith darstellen. [...] Die gymnastischen Springer werden zum zweitenmal: die Müller auf dem Mont Martre, oder die Reitschule, in 30 verschiedenen Maniern zeigen, wobey sich sämtl. Mitglieder der Gesellschaft produziren. Dann folgt: Le Tableau equestre mit 8 Personen auf 8 Pferden, welches eine Todesscene und mehrere interessante Gruppen darstellen wird. Zum Beschluß zum zweitenmal: Die Höllenbrücke, oder der unerschrockene Hirsch, auf einer figurirten Brücke, garnirt mit einem großen Kunstfeuerwerk. ]...] Vorher wird die ganze Gesellschaft sich bestreben, durch Tänze auf dem Seile, Reitübungen und Gymnastik die geehrten Zuschauer angenehm zu überraschen." Oben ein Holzschnitt mit einer Darstellung des Hirschs im Feuerwerk.
Sammlung Otto Link, Leipzig.
Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.
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