Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer F 17,1
Ort, Datierung
Abmessungen
6 x 9 cm
Inventarnummer
F 17,1
Sammlung Otto Link, Leipzig. Ins Positiv umgewandelter Scan vom Originalfilm.

Am 5. und 6. Juli 1931 trafen sich in Eisenach etwa siebzig Puppenspieler und Puppenspielinteressierte zur Bundestagung des Deutschen Bundes für Puppenspiele. Dieser war 1930 aus dem Kulturverband zur Förderung des Puppentheaters hervorgegangen, dessen Vorgeschichte bis in das Jahr 1921 zurückging. Nach Verbandstreffen 1927 in Magdeburg anlässlich der Deutschen Theaterausstellung und 1928 in Baden-Baden, fanden die beiden folgendenden Treffen in Prag 1929 und Lüttich 1930 statt. Diese Treffen waren mit den Kongressen der Weltpuppenspielerorganisation UNIMA verbunden. 1931 sollte der nächste Weltkongress in Essen stattfinden, wurde jedoch wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse abgesagt. Bei der Tagung in Eisenach, die vor allem durch die materielle Not geprägt war, ging es unter anderem um die Konkurrenz der beiden deutschen Puppenspielerzeitschriften "Das Puppentheater" und "Der Puppenspieler" wie auch die Abgrenzung der professionellen Bühnen von den Amateuren und die Steigerung der Qualität. Schlechte Bühnen sollten geschult oder zum Aufhören gebracht werden.

Sammlung Otto Link, Leipzig.
Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

Creditline
Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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