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Zettelträgers Abschied. Heute Abschieds-Vorstellung (Zettelträgerlied)

Apel, Albert (1847-1905) - Marionettenspieler Muschter, M. <Firma> (um 1900 tätig) - Druckerei
Ort, Datierung
Material und Technik
Abmessungen
22,5 x 14,2 cm
Inventarnummer
25579
Sammlung Otto Link. - Das wichtigste Werbemedium der traditionellen Marionettenspieler war seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Theaterzettel. Dieser wurde nicht nur als Plakat aufgehängt, sondern auch durch den Theatergehilfen, der das Amt des Zettelträgers versah, an die Haushalte verteilt. Um 1900 waren tausend Zettel preiswerter als eine kleine Annonce in der lokalen Tageszeitung. Die persönliche Übergabe steigerte die Wirkung noch. Am Ende des Gastspiels wurden die Zettel wieder eingesammelt und für den Einsatz am nächsten Ort sortiert, teilweise sogar repariert. In den Großstädten wurden manchmal auch neue Zettel nur für einen Veranstaltungsort gedruckt. Durch Wegschneiden der Ortsangabe konnten auch diese Zettel weiterverwendet werden. –
Die Familie Apel war in den 1880er bis 1950er Jahren die wichtigste Puppenspielerfamilie im Raum Dresden. Albert (1847-1905) und Amalie Apel, geb. Mosch (1844-1914), gründeten ihr Theater 1877 mit dem Ankauf der Bühne von Franz Lorgie (1765-1853), der wiederholt vor dem sächsischen Königshaus aufgetreten war. Da ihre zahlreiche Kinderschar musikalisch und schauspielerisch talentiert war, wurden ab 1884 auch Konzerte gegeben und kleine Singspiele aufgeführt. In der zweiten Generation waren Hermann Mosch (1866-1929), Heinrich Apel senior (1875-1920) und Helene Apel-Böttger (1877-1961) als Puppenspieler tätig, in dritter Generation Heinrich Apel junior (1895-1975) und Albert Apel-Böttger (1909-1986). Die letzten beiden großen Bühnen wurden 1952 als einem modernen, sozialistischen Staat nicht zeitgemäß verboten, die Spieler versuchten den Spielbetrieb aber noch einige Jahre in verkleinerter Form aufrechtzuerhalten.
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
M. Muschter, Annaberg

Sammlung Otto Link, Leipzig.
Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

Creditline
Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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