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Sonntag d. 24.4. [1938?] Johann Bückler Räuberhauptmann Schinderhannes nebst seiner Bande. Größtes neuestes Marionetten-Theater

Bille, Balduin (1878-1961) - Marionettenspieler Roithner, Paul <Firma> (ab 1904 tätig) - Druckerei Schinderhannes (1783-1803) - Bezugsperson
Material und Technik
Abmessungen
32,8 x 24,5 cm
Inventarnummer
2909 c
Sammlung Otto Link.

Das wichtigste Werbemedium der traditionellen Marionettenspieler war seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Theaterzettel. Dieser wurde nicht nur als Plakat aufgehängt, sondern auch durch den Theatergehilfen, der das Amt des Zettelträgers versah, an die Haushalte verteilt. Um 1900 waren tausend Zettel preiswerter als eine kleine Annonce in der lokalen Tageszeitung. Die persönliche Übergabe steigerte die Wirkung noch. Am Ende des Gastspiels wurden die Zettel wieder eingesammelt und für den Einsatz am nächsten Ort sortiert, teilweise sogar repariert. In den Großstädten wurden manchmal auch neue Zettel nur für einen Veranstaltungsort gedruckt. Durch Wegschneiden der Ortsangabe konnten auch diese Zettel weiterverwendet werden. -
Balduin Bille (1878-1961) stammte aus einer der ältesten sächsischen Puppenspielerfamilien, deren Anfänge ins 18. Jahrhundert zurückreichten. Er war ein Sohn von Oswald Bille (1841-1917) und Emma Flora Barbara, geb. Hähnel (1854-1893). Ebenso wie seine Brüder Theodor und Florian betrieb er eine eigene Bühne. 1904 heiratete er Thekla Franziskus, verwitwete Fritzsche (1865-1949), die Tochter des bedeutenden Marionettenspielers Louis Franziskus. In erster Ehe war sie mit dem Sänger und Humoristen Emil Fritsche („Elbthaler Sänger“, ehemals gemeinsam mit Junghähnel bei den „Rossweiner Sängern“) verheiratet gewesen. Sie brachte eine hochwertige Marionettenbühne in die Ehe ein. Das Theater wurde wegen der Weltwirtschaftskrise ab 1933 einige Jahre eingelagert, im Zweiten Weltkrieg aber wieder betrieben und dann endgültig stillgelegt. Teile des Theaters wurden 1955 von der Puppentheatersammlung erworben.
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
E. Fritzsches Nachfolger P. Roithner, Brandis-Leipzig

Sammlung Otto Link, Leipzig.
Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

Creditline
Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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