Steinschale mit Noppenrand

unbekannt - Hersteller
Die in den Hochländern von Neuguinea aufgefundene Steinartefakte (Mörser, Pistillen, Baststoffklopfer u.a.) sind Zeugnisse einer prähistorischen Kultur und werden von Archäologen in das 6.-1. Jahrtausend v. Chr. datiert. Die damaligen Bewohner des Hochlandes kannten bereits den Anbau verschiedener Nutzpflanzen, darunter Taro (Colocasia) und nutzen Steinschalen dieser Art vermutlich als Mörser zur Bereitung von Taropudding.
In historischer Zeit war den Bewohnern Neuguineas weder die Bearbeitung von Stein in dieser Weise noch der ursprüngliche Gebrauch der beim Gartenbau, in jüngerer Zeit auch beim Straßen- oder Pistenbau aufgefundenen Artefakte bekannt. Sie wurden als Gaben der Ahnen angesehen und als „magische Kraftobjekte“ neu interpretiert. Verwendung fanden die in Kulthäusern aufbewahrten Gegenstände unter anderem bei Fruchtbarkeits- und Heilungszeremonien sowie als Schutzmittel. Mit der Christianisierung im 20. Jahrhundert haben sie ihre sakrale Bedeutung weitgehend verloren.
Den Steinmörser erwarb das Museum für Völkerkunde Dresden 2004 als Teil einer größeren Sammlung von einem Pfarrer der Neuendettelsauer Mission, der von 1966 bis 1979 in Papua Neuguinea tätig war. Er selbst erhielt diesen 1971 bei der Einweihung einer neuen Kirche in Tiripini im Ialibu-Pangia-Gebiet des südlichen Hochlandes. Der noch im Altarraum des Vorläufer-Kirchbaus als „heiliger Stein“ aufbewahrte Mörser hatte inzwischen für die Wiru, die ortsansässige Bevölkerung der Region, seine sakrale Bedeutung verloren.
(MVD, Petra Martin)
Kultureller Kontext
Wiru (Sammelereignis)
Reproduktion
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