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„Zwerg als Grenadier“ (historische Bezeichnung)

Köhler, Johann Heinrich (1669-1736) - Juwelier
Ort, Datierung
Abmessungen
H 13,1 cm, B 5,2 cm, T 5,2 cm
Inventarnummer
VI 85
Besonders leidenschaftlich sammelte August der Starke sogenannte Perlfiguren – kleine Pretiosen aus monströsen Perlen (sogenannten Barockperlen), Gold, Email und Edelsteinen. Das Grüne Gewölbe verfügt daher heute mit 57 Exemplaren über den weltweit größten Bestand dieser faszinierenden Kunstwerke. Eine ganze Reihe davon wurde bei dem hugenottischen Juwelier Guillaume Verbecq in der Messestadt Frankfurt am Main erworben, andere stammen von dem Berliner Goldschmied Jean Louis Girardet. Bei insgesamt sieben Perlfiguren ist Johann Heinrich Köhler über die Inventare als Urheber belegt, so auch im Falle des kleinwüchsigen Soldaten, der fast wie eine Heldenstatue in einer repräsentativen Grenadieruniform auf seinem Sockel steht. Den unproportionierten Körperbau mit den stämmigen, kurzen Beinen, der stark hervortretenden Brustpartie, dem buckligen Rücken und dem großen Kopf hat Köhler mithilfe seiner ausgezeichneten Beobachtungsgabe genau dargestellt.
Der »Zwarg als ein Granadirer« hält sein Gewehr mit der rechten Hand und scheint Wache zu stehen. In der zu öffnenden Patronentasche, die der kleinwüchsige Soldat an der Hüfte trägt, finden sich neben einer Tabakspfeife noch Messer, Würfel und Spielkarten. Das individuell gestaltete Gesicht mit buschigen Augenbrauen, Oberlippenbart und ungewöhnlich langer und breiter Nase ist regungslos nach vorn gerichtet und verrät den hintergründigen Humor Köhlers. Die Uniform entspricht zwar weitgehend der zeitgenössischen Mode, die hohe Grenadiermütze endet jedoch in einem rot emaillierten, hornartigen Aufsatz, der an eine Narrenkappe denken lässt. Johann Heinrich Köhler stellte in seinen Perlfiguren, die er auch in einige seiner Prunkuhren und Inszenierungen von Elfenbeinstatuetten integrierte, einmal mehr seinen Ideenreichtum und Erfindungsgeist unter Beweis. Neben karikaturhaften Darstellungen (wie beim vorliegenden Grenadier) schuf er außerdem Bettler und Soldaten, welche den realen Schrecken des Nordischen Krieges reflektieren. (UW)
Der Dresdner Hofjuwelier Johann Heinrich Köhler. Dinglingers schärfster Konkurrent, Ausst.-Kat. bearb. von Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Dirk Syndram, Ulrike Weinhold, Susanne Thürigen und Marion Ackermann, Dresden 2019, S. 124f, Nr. Kat.-Nr. 14, Abb. ja

Jutta Kappel und Ulrike Weinhold: Das Neue Grüne Gewölbe: Führer durch die ständige Ausstellung, Dresden 2007 (= Museumsführer), S. 153

Dirk Syndram und Ulrike Weinhold: "... und ein Leib von Perl": die Sammlung der barocken Perlfiguren im Grünen Gewölbe ; [im Rahmen einer Ausstellung des Grünen Gewölbes im Georgenbau des Dresdener Schlosses], Wolfratshausen 2000, S. 36, Nr. 6

Jean Louis Sponsel: Führer durch das grüne Gewölbe zu Dresden, Dresden 1921, S. 260
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