Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer MAf 08076 a, b
Abmessungen
a) 102 x 44 x 11 cm; b) 110 x 41 x 15 cm
Inventarnummer
MAf 08076 a, b
Die im 19. Und 20. Jhd. von Schmieden der Wachagga hergestellten Speere, Schwerter und Messer waren über die Kilimanjaroregion hinaus bekannt. Schmiede nahmen in der Gemeinschaft der Wachagga eine besondere Stellung ein. Das Schmiedehandwerk wurde üblicherweise von Vater zu Sohn weitergegeben. Der Blasebalg gehörte einem Schmied in Marangu, der im Dienst des dortigen Herrschers Mangi Mareale stand. Mangi Mareale galt als Verbündeter der deutschen Kolonialmacht.

Paul Brehme war als Oberarzt der sog. „Schutztruppe“ 1893/94 in Marangu stationiert und zeitweise Leiter der dortigen Militärstation. Auf Wunsch des Direktors des Leipziger Völkerkundemuseums beschaffte er dort Objekte der Wachagga. Der Blasebalg gelangte am Tag seiner Abreise zusammen mit einer Zange in seinen Besitz. Angeblich hatte Mareale Brehme den Blasebalg versprochen. Brehme warf ihm nun vor, sein Wort nicht zu halten. Vermutlich um sein Ansehen und seine Beziehungen zu den Deutschen nicht zu gefährden, ließ Mareale daraufhin den Blasebalg und die Zange einem Schmied wegnehmen. Den Hammer habe der Schmied laut Brehme wohl noch „bei Seite gebracht“. Bis heute wird am Kilimanjaro das traditionelle Schmiedehandwerk zur Herstellung von Werkzeug, aber auch zu touristischen Zwecken betrieben.

Die Recherche zu diesem Objekt fand im Rahmen der mobilen Recherche-Ausstellung „MAREJESHO“ von Flinn Works, Berlin Postkolonial und Old Moshi Cultural Tourism am Kilimanjaro und Meru statt. Ziel des Projekts war es, Mitglieder der Gemeinschaften am Kilimanjaro und Meru (Tansania) über in der Kolonialzeit verschleppte Ahnen (Ancestral Remains) und Objekte zu informieren, die sich in deutschen Museumssammlungen befinden. Besucher*innen der Ausstellung teilten ihr Wissen wiederum mit dem Team von „MAREJESHO“. Vertreter*innen der Gemeinschaften fordern eine Repatriierung der Ahnen und eine Restitution der Objekte.
(Konradin Kunze, 12.05.2023)
Kultureller Kontext
Chagga (Herstellung)
Reproduktion
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