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Ort, Datierung
Afrika, Nordost-Ghana, vor 1904
Material und Technik
Abmessungen
50 x 4 x 3,5 cm
Inventarnummer
MAf 09587
Dieses Objekt ist Teil der Kollektion des Projektes "Provenienz von kolonialzeitlichen Sammlungen aus Togo”: Link der Kollektionsseite.

Der hier sogenannte Prophetenstab wurde aus Holz geschnitzt. Auf dem Katalogzettel steht „Vgl. MAf 9584“, bei welchem wiederum eine Notiz Mischlichs vermerkt ist. Die besagte Angabe beinhaltet, dass die konsultierende Person die Spitze des Stabs berührt und der Priester den Griff des Stabes ergreift und diesen auf die Erde stößt und anschließend eine Prophezeiung äußert. Des Weiteren wird als Ort hier Grusi angegeben. Die Grusi (auch Gurunsi genannt) sind allerdings eine Bevölkerungsgruppe in Westafrika, hauptsächlich im Norden Ghanas und Süden Burkina Fasos. In Kolonialzeiten heißt es, die Grusi lebten westlich und nordwestlich von Wagadugu (damals u.a. Ouagadougou genannt) und Koudougou und im Nordosten des heutigen Ghanas. Mischlich schenkte den Stab im Jahr 1904 an das MVL, sodass die Aneignung in der Kolonie vor 1904 stattgefunden haben muss. In dem Zeitraum war Mischlich als Stationsleiter in Kete Krachi tätig, sodass der Stab potenziell von den Grusi im Nordosten des heutigen Ghanas stammt.
Laut Dr. Ohiniko M. Toffa handelt es sich um einen stark religiösen Gegenstand, dessen Besitzer eine Schutzfunktion in der Gesellschaft übernommen haben muss. Dr. Emery Patrick Effiboley ist der Meinung, dass es sich beim Besitzer um einen Heiler, eine traditionelle Autorität oder einen Wahrsager gehandelt haben könnte.
Adam Mischlich (1864-1948) arbeitete ab 1890 als Missionar für die Basler Mission erst an der Goldküste (Ghana) und ab 1894 in Togo. Nachdem er 1897 aufgrund eines sexualstrafrechtlichen Skandals aus der Basler Mission ausschied (Erbar 1991), trat er in den Dienst des Gouvernements Togo. 1898 übernahm er die Leitung der Station Kete-Kratschi (heute Kete Krachi, Ghana) und 1913 die der Station „Misahöhe“ (bei Kpalimé, Togo). Die Unterdrückung der lokalen Bevölkerung als auch die Ausführung der kolonialen Gerichtsbarkeit unterlagen ihm als Stationsleiter. (Meyer-Bahlburg 1994) Als Afrikanist führte er sprachwissenschaftliche Studien in Zentral- und Nord-Togo, vor allem des Hausa, durch und veröffentlichte diese in Missionsblättern und den „Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten“. Uns sind bisher keine militärischen Aktivitäten Mischlichs bekannt, was nicht heißt, dass nicht auch er potenziell an kriegerischen Auseinandersetzungen und Plünderungen der Bevölkerung beteiligt war. Des Weiteren war es nicht unüblich, dass die kolonialen Akteure sich gegenseitig Objekte schenkten, verkauften oder tauschten. Durch Adam Mischlich (bzw. von Mischlich an das Museum für Völkerkunde Berlin und anschließend an das Museum für Völkerkunde Leipzig) kamen insgesamt 494 Objekte an das Museum, von denen aktuell 35 als vermisst gelten. Mischlich schenkte dem Museum im Jahr 1904 vier solcher Stäbe. (MVL, Marlena Barnstorf-Brandes, 19.07.2023)
Kultureller Kontext
Gurunsi (Herstellung)
Reproduktion
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