Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer MAf 08157
Ort, Datierung
Afrika, Tansania, Kilimanjaro Region, vor 1887
Abmessungen
26 x 3 x 3 cm
Inventarnummer
MAf 08157
Schon vor der deutschen Kolonialzeit wurde Tabak am Kilimanjaro in kleinen Mengen angebaut. Auch heute ist dies dort noch üblich. Vermutlich war die Pflanze über portugiesische Seefahrer vom amerikanischen Kontinent nach Ostafrika gelangt und hatte sich durch arabische Händler über die Karawanenroute bis an den Kilimanjaro verbreitet. Der Tabak wurde geraucht, geschnupft oder gekaut. Schnupftabak wurde häufig in einem verschlossenen, oft mit Glasperlen verzierten Kuhhorn wie diesem an einer Kette um den Hals getragen. Ähnliche Behälter konnten auch für Schießpulver oder Pfeilgift benutzt werden.
Dieser Tabakbehälter gelangte durch Hans Meyer ins Museum für Völkerkunde Leipzig. Meyer schenkte diesem und weiteren Museen etliche Gegenstände der Wachagga aber auch mehrere Ancestral Remains, d.h. Gebeine von Menschen. Der wohlhabende Verleger und Geograph unternahm mehrere sog. „Forschungsreisen“ ins Kilimanjaro-Gebiet, vor allem getrieben vom Wunsch, den Gipfel zu besteigen, was ihm schließlich 1889 mit Hilfe von Yohani Lauwo gelang. Meyer war bei seinen Unternehmungen auf die Unterstützung des Herrschers von Marangu, Mangi Mareale, angewiesen. Mareale galt als Verbündeter der deutschen Kolonialisten und nutzte diese Beziehung zur Ausweitung seines Herrschaftsbereichs. Die Umstände der Aneignung des Tabakbehälters, die während einer seiner ersten Reisen an den Kilimanjaro erfolgte, sind uns nicht bekannt.

Die Recherche zu diesem Objekt fand im Rahmen der mobilen Recherche-Ausstellung „MAREJESHO“ von Flinn Works, Berlin Postkolonial und Old Moshi Cultural Tourism am Kilimanjaro und Meru statt. Ziel des Projekts war es, Mitglieder der Gemeinschaften am Kilimanjaro und Meru (Tansania) über in der Kolonialzeit verschleppte Ahnen (Ancestral Remains) und Objekte zu informieren, die sich in deutschen Museumssammlungen befinden. Besucher*innen der Ausstellung teilten ihr Wissen wiederum mit dem Team von „MAREJESHO“. Vertreter*innen der Gemeinschaften fordern eine Repatriierung der Ahnen und eine Restitution der Objekte.
(Konradin Kunze, 12.05.2023)
Kultureller Kontext
Dschagga (Herstellung)
Hans Meyer: Meyers Universum : zum 150. Geburtstag des Leipziger Verlegers und Geographen Hans Meyer (1858 - 1929), Leipzig 2008, Abb. S. 228
Reproduktion
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