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Ort, Datierung
Afrika, Ghana (?), Bezirk Kete Krachi (?), Tapa, vor 1904
Abmessungen
H: 19 cm; Ø 14,5 cm
Inventarnummer
MAf 09583
Dieses Objekt ist Teil der Kollektion des Projektes "Provenienz von kolonialzeitlichen Sammlungen aus Togo”: Link der Kollektionsseite.

Die hier sogenannte Kappe bzw. Brauthut wurde aus Blattstreifen geflochten. An der Spitze bildet sich aus den Streifen eine Quaste. Im zugehörigen Aktenstück heißt es: "2 Brauthüte aus Tapa, Togo- Vierzehn Tage (früher 3 Monate) vor der Hochzeit erhielt die Braut einen solchen Hut von ihrem Bräutigam, den sie dann täglich aufsetzen mußte. Am Tage vor der Hochzeit wird der Hut abgenommen und das Haupt kurz geschoren. Auch die [P]riester in Tapa tragen diese Art Hüte. Ein solcher Hut wird dem Novizen von den Ältesten auf den Kopf gesetzt. Der junge Priester darf den Hut nie ablegen, auch des nachts nicht, damit niemand sein geheiligtes Haupt entblößt sehen könne. Läßt sich der Priester das Haar scheren, so hat es nicht im Freien, sondern in einem Zimmer zu geschehen." (MVL 1904/46, Adam Mischlich) Beide Kopfbedeckungen sollen laut Katalogzettel und Akte aus einem Ort namens „Tapa“, der auf keinen aktuellen oder historischen Karten aufzufinden ist, stammen. Weitere drei Objekte, die durch Mischlich an das MVL gelangten, sollen aus demselben Ort stammen, sind aber zusätzlich mit dem Vermerk Bezirk Kete Krachi, Ghana sowie der Angabe, dass die Objekte höchstwahrscheinlich den Asante gehören, versehen. Somit könnten auch die beiden Kopfbedeckungen potenziell aus einem Ort bei Kete Krachi, Ghana, wo Mischlich auch 1898 Stationsleiter war als auch eventuell von den Asante stammen.
Dr. Ohiniko M. Toffa kategorisiert die Kappe als Ritualobjekt. Laut Dr. Emery Patrick Effiboley gibt es auch bei den Betambaribe einen ähnlichen Brauch (difoni und dikundri), bei dem das Mädchen oder der Junge während einer Einweihungszeremonie einen solche Kopfbedeckung erhält, die jedoch mit Kaurimuscheln verziert ist.
Adam Mischlich (1864-1948) arbeitete ab 1890 als Missionar für die Basler Mission erst an der Goldküste (Ghana) und ab 1894 in Togo. Nachdem er 1897 aufgrund eines sexualstrafrechtlichen Skandals aus der Basler Mission ausschied (Erbar 1991), trat er in den Dienst des Gouvernements Togo. 1898 übernahm er die Leitung der Station Kete-Kratschi (heute Kete Krachi, Ghana) und 1913 die der Station „Misahöhe“ (bei Kpalimé, Togo). Die Unterdrückung der lokalen Bevölkerung als auch die Ausführung der kolonialen Gerichtsbarkeit unterlagen ihm als Stationsleiter. (Meyer-Bahlburg 1994) Als Afrikanist führte er sprachwissenschaftliche Studien in Zentral- und Nord-Togo, vor allem des Hausa, durch und veröffentlichte diese in Missionsblättern und den „Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten“. Uns sind bisher keine militärischen Aktivitäten Mischlichs bekannt, was nicht heißt, dass nicht auch er potenziell an kriegerischen Auseinandersetzungen und Plünderungen der Bevölkerung beteiligt war. Des Weiteren war es nicht unüblich, dass die kolonialen Akteure sich gegenseitig Objekte schenkten, verkauften oder tauschten. Durch Adam Mischlich (bzw. von Mischlich an das Museum für Völkerkunde Berlin und anschließend an das Museum für Völkerkunde Leipzig) kamen insgesamt 494 Objekte an das Museum, von denen aktuell 35 als vermisst gelten. Mischlich schenkte die Kopfbedeckung im Jahr 1904 an das MVL. (MVL, Marlena Barnstorf-Brandes, 19.07.2023)
Reproduktion
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