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Ort, Datierung
Afrika, Ghana, Asante, um 1840
Abmessungen
99 x 45 x 48 cm
Inventarnummer
MAf 09578
Dieses Objekt ist Teil der Kollektion des Projektes "Provenienz von kolonialzeitlichen Sammlungen aus Togo”: Link der Kollektionsseite.

Die Sitzfläche dieses geschnitzten Holzstuhles wurde mit einem gegerbtem Lederbezug und die Lehne mit geschmiedeten Metallbeschlägen versehen. Auf dem Katalogzettel heißt es: "Derselbe ist etwa 60 Jahre alt und stammt aus Bimbila, Hauptstadt von Nanumba. Diese Art Stühle dürfen sich nur Kriegshauptleute zulegen. Verfertigt ist der Stuhl in Asante, Goldküste, und nach Nanumba gelangt zur Zeit als Kratschi, Salaga, Nanumba, Dagomba, Dagoba und Mangu Kumare d.i. Asante tributspflichtig waren.“ Die Nanumba sind eine Bevölkerungsgruppe im heutigen Ghana. Valentin von Massow, Gaston Thierry und Hans Gruner führten gegen die Nanumba, Dagomba und Bikpakpaln (auch als Konkomba bezeichnet) vom 23. November bis 11. Dezember 1896 Krieg. Somit gehörte der Stuhl potenziell einem der Nanumba Kriegsherren und wurde sich eventuell während des Krieges angeeignet und von einem der drei beteiligten Kolonisatoren an Mischlich gegeben.
Laut Dr. Ohiniko M. Toffa handelt es sich um einen Königssitz, einen Thron oder einen Stuhl für eine wichtige Person in Westafrika und ist sehr heilig. Auch laut Dr. Emery Patrick Effiboley sieht dieser Stuhl wie der Stuhl einer wichtigen Person aus und ist laut Dokumentation älter als 160 Jahre, aber wir sehen keine ähnlichen Objekte dieses Alters in der Region. Es stellt sich die Frage, wie dieser Hocker hergestellt wurde, was sind die anderen Einrichtungsgegenstände aus der gleichen Zeit?
Adam Mischlich (1864-1948) arbeitete ab 1890 als Missionar für die Basler Mission erst an der Goldküste (Ghana) und ab 1894 in Togo. Nachdem er 1897 aufgrund eines sexualstrafrechtlichen Skandals aus der Basler Mission ausschied (Erbar 1991), trat er in den Dienst des Gouvernements Togo. 1898 übernahm er die Leitung der Station Kete-Kratschi (heute Kete Krachi, Ghana) und 1913 die der Station „Misahöhe“ (bei Kpalimé, Togo). Die Unterdrückung der lokalen Bevölkerung als auch die Ausführung der kolonialen Gerichtsbarkeit unterlagen ihm als Stationsleiter. (Meyer-Bahlburg 1994) Als Afrikanist führte er sprachwissenschaftliche Studien in Zentral- und Nord-Togo, vor allem des Hausa, durch und veröffentlichte diese in Missionsblättern und den „Mitteilungen aus den deutschen Schutzgebieten“. Uns sind bisher keine militärischen Aktivitäten Mischlichs bekannt, was nicht heißt, dass nicht auch er potenziell an kriegerischen Auseinandersetzungen und Plünderungen der Bevölkerung beteiligt war. Des Weiteren war es nicht unüblich, dass die kolonialen Akteure sich gegenseitig Objekte schenkten, verkauften oder tauschten. Durch Adam Mischlich (bzw. von Mischlich an das Museum für Völkerkunde Berlin und anschließend an das Museum für Völkerkunde Leipzig) kamen insgesamt 494 Objekte an das Museum, von denen aktuell 35 als vermisst gelten. Den Stuhl schenkte Mischlich dem MVL im Jahr 1904. (MVL, Marlena Barnstorf-Brandes, 17.07.2023)
Reproduktion
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