Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer MAf 16647
Ort, Datierung
Afrika, Tansania, Kilimanjaro Region, vor 1909
Abmessungen
12,5 x 11 x 6,4 cm
Inventarnummer
MAf 16647
Zahlreiche Oberarmreife der Wachagga (und der Maasai) dieser Art befinden sich in Museumssammlungen, darunter solche aus Elfenbein, Kupfer, Eisen, Horn und Holz. Sie wurden am linken Oberarm getragen, mit den drahtumwickelten Spitzen nach oben. Am Kilimanjaro waren sie vermutlich den Beratern (Mchili, Akida) der Herrscher (Mangi) und den Herrschern selbst vorbehalten. Vielleicht kennzeichnete das verwendete Material die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Herrschaftsgebiet (hier z.B. Eisen mit schwarzer Bemalung = Mchili aus Kibosho?) und das Muster (hier sechs Striche) den Rang des Trägers? Obwohl diese „Rabi“ genannten Oberarmreifen ein Machtsymbol darstellen, sind sie heute am Kilimanjaro nicht mehr bekannt, vielleicht, weil das Herrschaftssystem der Mangi und ihrer Wachili durch die deutsche und britische Kolonialregierung geschwächt und nach der Unabhängigkeit offiziell abgeschafft wurde.
Johannes Raum, der diesen Oberarmreif zusammen mit anderen Objekten der Wachagga dem Leipziger Museum für Völkerkunde verkaufte, war Missionar der Evangelisch-Lutherischen Mission Leipzig. Er war in der deutschen Kolonialzeit und darüber hinaus bis zu seinem Tod in mehreren Missionsstationen am Kilimanjaro tätig. Laut eigenen Angaben hatte er die Objekte am Kilimanjaro käuflich erworben. Angesichts der Bedeutung, die einige der Objekte für die Besitzer*innen gehabt haben müssen, stellt sich die Frage, ob diese tatsächlich freiwillig und zu fairen Bedingungen verkauft wurden. Eventuell erwarb Raum auch einige Objekte direkt von den Hersteller*innen.

Die Recherche zu diesem Objekt fand im Rahmen der mobilen Recherche-Ausstellung „MAREJESHO“ von Flinn Works, Berlin Postkolonial und Old Moshi Cultural Tourism am Kilimanjaro und Meru statt. Ziel des Projekts war es, Mitglieder der Gemeinschaften am Kilimanjaro und Meru (Tansania) über in der Kolonialzeit verschleppte Ahnen (Ancestral Remains) und Objekte zu informieren, die sich in deutschen Museumssammlungen befinden. Besucher*innen der Ausstellung teilten ihr Wissen wiederum mit dem Team von „MAREJESHO“. Vertreter*innen der Gemeinschaften fordern eine Repatriierung der Ahnen und eine Restitution der Objekte.
(Konradin Kunze, 12.05.2023)
Kultureller Kontext
Dschagga (Herstellung)
Reproduktion
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