Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer MAf 27701
Ort, Datierung
Afrika, Tansania, Kilimanjaro Region, (Old) Moshi, vor 1893
Abmessungen
17,5 x 21,5 cm
Inventarnummer
MAf 27701
Solche Kopfbedeckungen wurden offenbar von Kriegern der Wachagga, aber auch von älteren Männern und Jungen getragen. Sie dienten wohl nicht nur zur Zierde, sondern auch als Schutz vor Regen und Kälte an den kühleren Tagen am Kilimanjaro. Die Mützen wurden aus Kuhmagen hergestellt und häufig wie bei dieser Mütze am Rand mit aus Indien importierten farbigen Glasperlen bestickt.
Albert Schrenck von Notzing war als Adjutant des Gouverneurs Friedrich von Schele am Kriegszug gegen Mangi Meli von Moshi beteiligt. Nachdem Mangi Meli und seine Krieger die deutschen Kolonialinvasoren 1892 vom Kilimanjaro vertrieben hatte, zog Schele am 12.08.1893 mit einer Übermacht der sog. „Schutztruppe“ im Verbund mit lokalen Wachagga-Kriegern gegen Moshi und besiegte Mangi Meli. Im Kontext dieser Schlacht eignete sich Schrenck von Notzing etliche Objekte an, darunter auch mehrere Kopfbedeckungen wie diese („Kriegskopfüberzug“). Bei einigen der Objekte handelt es sich laut seinen Angaben um Kriegsbeute, die teilweise gefallenen Moshi-Kriegern abgenommen wurde. Bei dieser Mütze ist dies explizit vermerkt. Schrenck von Notzing überließ manche der Objekte dem Leipziger Museum für Völkerkunde zunächst unter „Eigentumsvorbehalt“, bevor sie nach dessen Tod ans Museum verkauft wurden.
Mangi Meli wurde schließlich 1900 von der deutschen Besatzung mit 18 anderen Anführern gehängt. Sein Haupt und weitere Ancestral Remains der Hingerichteten wurden mutmaßlich nach Deutschland verschifft. Noch heute warten Nachfahren auf deren Rückkehr.

Die Recherche zu diesem Objekt fand im Rahmen der mobilen Recherche-Ausstellung „MAREJESHO“ von Flinn Works, Berlin Postkolonial und Old Moshi Cultural Tourism am Kilimanjaro und Meru statt. Ziel des Projekts war es, Mitglieder der Gemeinschaften am Kilimanjaro und Meru (Tansania) über in der Kolonialzeit verschleppte Ahnen (Ancestral Remains) und Objekte zu informieren, die sich in deutschen Museumssammlungen befinden. Besucher*innen der Ausstellung teilten ihr Wissen wiederum mit dem Team von „MAREJESHO“. Vertreter*innen der Gemeinschaften fordern eine Repatriierung der Ahnen und eine Restitution der Objekte.
(Konradin Kunze, 12.05.2023)
Kultureller Kontext
Dschagga (Herstellung)
Reproduktion
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