Genofeva von Brabant Reichsgräfin zu Trier, Pfalzgräfin am Rhein. Ritschers Marionetten-Theater

Ritscher, Arno (1892-1959) - Marionettenspieler Imgrund, Kurt <Firma> (mind. 1913-36 tätig) - Druckerei
Ort, Datierung
Material und Technik
Abmessungen
33,5 x 24,1 cm
Inventarnummer
C 8322
Sammlung Otto Link. - Das wichtigste Werbemedium der traditionellen Marionettenspieler war seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Theaterzettel. Dieser wurde nicht nur als Plakat aufgehängt, sondern auch durch den Theatergehilfen, der das Amt des Zettelträgers versah, an die Haushalte verteilt. Um 1900 waren tausend Zettel preiswerter als eine kleine Annonce in der lokalen Tageszeitung. Die persönliche Übergabe steigerte die Wirkung noch. Am Ende des Gastspiels wurden die Zettel wieder eingesammelt und für den Einsatz am nächsten Ort sortiert, teilweise sogar repariert. In den Großstädten wurden manchmal auch neue Zettel nur für einen Veranstaltungsort gedruckt. Durch Wegschneiden der Ortsangabe konnten auch diese Zettel weiterverwendet werden. - Arno Ritscher (1892-1959) war der drittjüngste Sohn des Marionettenspielerehepaares Ernst Ritscher (1853-1943) und Anna Lippold (1859-1922) und damit Nachfahre der ältesten sächsischen Puppenspielerfamilie Listner in Lichtenstein-Callnberg, die bereits Mitte des 18. Jahrhunderts mit Puppen spielte. Genau wie sein ältester Bruder Max (1877-1966) in Bielathal und seine beiden jüngeren Brüder Erich und Oskar, die als „Gebrüder Ritscher“ von Chemnitz aus reisten, gründete er eine eigene Marionettenbühne. Ab 1920 spielte er mit dem Reinboldschen Marionettentheater und siedelte sich zunächst im Raum Chemnitz, später in Tharandt an. Arno Ritscher überstand zwar die Berufsverbote der frühen 1950er Jahre, konnte aber die Bühne nicht an seinen talentierten Sohn Alfred übergeben, da dieser dazu nach einem Unfall aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage war. Der größte Teil des Theaters ging an Teddy Küchenmeister (1935-2009) über und wurde noch bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts genutzt.
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
Arno Ritscher, Theaterbesitzer Kurt Imgrund, Langebrück
Sammlung Otto Link, Leipzig.
Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.
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