Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer C 8787
Material und Technik
Abmessungen
39 x 26,5 cm
Inventarnummer
C 8787
Das wichtigste Werbemedium der traditionellen Marionettenspieler war seit Mitte des 19. Jahrhunderts der Theaterzettel. Dieser wurde nicht nur als Plakat aufgehängt, sondern auch durch den Theatergehilfen, der das Amt des Zettelträgers versah, an die Haushalte verteilt. Um 1900 waren tausend Zettel preiswerter als eine kleine Annonce in der lokalen Tageszeitung. Die persönliche Übergabe steigerte die Wirkung der Zettel noch. Am Ende des Gastspiels wurden die Zettel wieder eingesammelt und für den Einsatz am nächsten Ort sortiert, teilweise sogar repariert. In den Großstädten wurden manchmal auch neue Zettel nur für einen Veranstaltungsort gedruckt. Durch Wegschneiden der Ortsangabe konnten auch diese Zettel weiterverwendet werden.
- Carl Eduard Ruttloff wurde 1840 in Euba bei Chemnitz geboren, erlernte das Bäckerhandwerk und war als Maler tätig, bevor er 1859 als Gehilfe zum Theater von Franciscus kam. 1866 machte er sich selbständig und heiratete Franziska von Könneritz, nach deren Tod in zweiter Ehe 1881 Emilie Clauss aus Dohna bei Pirna. Ihr Vater war Klempner, ihre drei Brüder reisten allerdings als Seiltänzer und Marionettenspieler. Das Theater Ruttloff spielte hauptsächlich im Osterzgebirge, im Elbtal und in der westlichen Lausitz. 1890 starb Eduard Ruttloff in Meißen an den Folgen einer Lungenentzündung, die er sich beim Durchqueren einer Furt zugezogen hatte. Emilie Ruttloff assoziierte sich kurze Zeit mit ihrem Bruder August Clauss, der sie jedoch betrog, anschließend mit Wilhelm Clauss (1844-1910), der dem Geschäft bis zu seinem Tode vorstand. Nachdem es bereits 1907 bei der Erteilung des Gewerbescheins Probleme gab, verkaufte die Witwe Ruttloff die komplette Bühne nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs an den Sammler Prof. Kollmann in Leipzig. Der größte Teil des Fundus hat sich bis heute in der Puppentheatersammlung erhalten.
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
Druck von Gustav Müller in Strehla a. d. E.

Sammlung Otto Link, Leipzig.
Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

Creditline
Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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