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Kaspers Höllenfahrt. Ein lustiges Spiel in 3 Aufzügen von W. Schade (Finsterwalder Hand-Puppenspiele, Nr. 4/5)

Schade, Walter (1925/28 tätig) - Autor Danner, G. <Verlag> (1795-) - Verlag Finsterwalder Hand-Puppenspiele (1925-1928 tätig) - Puppenbühne
Abmessungen
19,2 x 13,1 x 0,2 cm, 24 S.
Inventarnummer
L 781
Sammlung Otto Link, Leipzig.

Wer sich außer Walter Schade hinter der südbrandenburgischen Bühne verbarg, ist nicht bekannt. Aus Finsterwalde stammten die Handpuppenspieler Max Radestock und Walter Baldt. Max Radestock hatte um 1922 mit dem Berufspuppenspieler Carl Iwowski in Berlin zusammengearbeitet und war anschließend in Finsterwalde bei einer Laienspielgruppe aktiv. Möglicherweise stammte auch Walter Schade aus diesem Umfeld. Zur Einleitung der Textreihe heißt es: "Die Finsterwalder Hand-Puppenspiele, die ihre Vorstellungen hauptsächlich in Schulen stattfinden lassen, geben mit dieser neuen Reihe von Kaspertheater-Büchern ihre Texte in die Öffentlichkeit. Kinder und auch Erwachsene werden von dem frischen, die Kinder teilweise zum Mitspielen auffordernden Ton, den Kasper und auch andere Figuren anschlagen, erfreut sein, so daß man diese Texte vor allen andern in die Hände der puppentheaterspielenden Kinder gelegt sehen möchte. Die Stückchen sind nicht nur am Schreibtisch entstanden, wie so viele andere, nein, sie sind auch vom Autor erprobt worden und ihre Wirksamkeit auf die Kinder hat sich glänzend bewiesen."
Walter Schade: Kaspers Höllenfahrt. Ein lustiges Spiel in drei Aufzügen, Mühlhausen in Thüringen 1925 (= Finsterwalder Hand-Puppenspiele, 4/5).

Sammlung Otto Link, Leipzig.

Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

Creditline
Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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