Handpuppenbühne Radestock Aachen spielt nachtmittags: "Der gestiefelte Kater". Ein Märchenspiel. Abends: "Die Teufelsschmiede" ein Puppenspiel in 4 Akten. Oberwölz, am Donnerstag, 22. Mai 1941. Die Deutsche Arbeitsfront NS.-Gem. "Kraft durch Freude".

Radestock, Max (1901-1948) - Puppenspieler Kraft durch Freude (1933-1945) - Puppentheaterveranstalter Kassecker, Paul (1903-1992) - Entwurf Fischer, Gustav <Firma> (1852-) - Druckerei
Schenkung Max Radestock an Otto Link, 1942.

Max Radestock (1901 Finsterwalde-1948 Aachen), der Sohn eines Zigarrenfabrikanten aus Finsterwalde, wurde 1922 Mitarbeiter in der Handpuppenbühne von Carl Iwowski und machte sich 1923/24 mit den „Künstlerischen Puppenspielen der Niederlausitzer Kleinkunstbühne“ selbständig. 1933 betrieb er mit dem Architekten Sepp Schüller und dem Mundartdichter Will Hermanns die „Aachener Künstler-Puppenbühne“, die mit rheinischen Stockpuppen spielte. Das Projekt scheiterte durch die schwierige wirtschaftliche Lage und die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten, so dass Max Radestock gemeinsam mit seiner Frau Elvire die „Künstlerischen Puppenspiele Max Radestock“ mit Handpuppen fortsetzte. Nach 1938 spielte er, obwohl im Raum Aachen wohnhaft, hauptsächlich in der damaligen „Ostmark“, wie Österreich nach dem Anschluss an das Deutsche Reich genannt wurde. 1944 sollte er in Wien unter großen Schwierigkeiten eine feste Spielstätte erhalten, zog dieser aber schließlich die Rückkehr an seinen Wohnort jenseits der belgischen Grenze vor. Nach dem Krieg wurde er enteignet und aus Belgien ausgewiesen und betrieb aus gesundheitlichen Gründen eine kunstgewerbliche Werkstatt. Radestock, der in der NS-Zeit gut beschäftigt war, zählte zu den unpolitischen Puppenspielern, denen es vorrangig um die Entwicklung der eigenen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten ging.

Hintergrundinformationen zum Puppenspiel im Nationalsozialismus
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
P 6/41 Verantwort. P. Kassecker, Graz.; Druck: G. Fischer, Graz
Manfred Wegner, Mascha Erbelding und Hana Ribi: Handbuch zum künstlerischen Puppenspiel 1900-1945. Deutschland, Österreich, Schweiz. Handpuppen- und Marionettenspiel, München 2019, S. 181-185

Manfred Wegner, Mascha Erbelding und Hana Ribi: Handbuch zum künstlerischen Puppenspiel 1900-1945. Deutschland, Österreich, Schweiz. Handpuppen- und Marionettenspiel, München 2019, S. 181-185

Manfred Wegner: Max Radestock - ein Puppenspieler aus Finsterwalde, in: Der Speicher. Jahresschrift des Kreismuseums Finsterwalde und des Vereins der Freunde und Förderer des Kreismuseums Finsterwalde, 5 (2001), S. 58-66.
Sammlung Otto Link, Leipzig.
Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.
Reproduktion
Wenn Sie Abbildungen dieses Objektes nutzen möchten, nehmen Sie bitte hier mit uns Kontakt auf. Auch Objekte, die aus ethischen Gründen ausgeblendet sind, können bei begründetem Interesse mit diesem Formular angefragt werden.
Feedback
Wenn Sie zusätzliche Informationen zu diesem Objekt haben oder einen Fehler entdeckt haben, dann schreiben Sie uns: Anmerkung verfassen
Weitere Objekte, die Sie interessieren könnten, aus den Rubriken:
Plakat

Théâtre Variétés et Impériator Bio Morieux de Paris

Voorde, Léon van de
Puppentheatersammlung
Weitere interessante Objekte
Théâtre Variétés et Impériator Bio Morieux de Paris
Voorde, Léon van de
Puppentheatersammlung
Puppentheatersammlung

Nathan aus "Nathan der Weise"

Zimmermann, Willy
Puppentheatersammlung
Weitere interessante Objekte
Nathan aus "Nathan der Weise"
Zimmermann, Willy
Puppentheatersammlung
Radestock, Max
Weitere interessante Objekte
Otto Schulz-Heising, Max Jacob und das Ehepaar Radestock auf der Reichstagung der Puppenspieler in Hohnstein 1938
Schulz-Heising, Otto
Puppentheatersammlung
Zum Seitenanfang