Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer Gal.-Nr. 2391 A
Ort, Datierung
Material und Technik
Abmessungen
130 x 98 cm
Museum
Inventarnummer
Gal.-Nr. 2391 A
Eine Sonderausstellung des Sächsischen Kunstvereins zu Dresden im November 1904, ein halbes Jahr nach dem Tod des Künstlerfürsten, zeigte von über 50 Werken fast ausschließlich Bildnisse bzw. Kopf-Studien und führte damit klar vor Augen: Franz von Lenbach galt vor allem dank seiner Porträts prominenter Persönlichkeiten als führender Maler seinerzeit. Ende der 1870er Jahre entstanden die ersten Bildnisse von Otto Fürst von Bismarck. Der »Eiserne Kanzler«, von Lenbach mitunterehrfurchtsvoll auch »Reichsungeheuer« genannt, prägte knapp drei Dekaden lang wesentlich die deutsche Geschichte. Durch seine Verdienste um die Reichsgründung 1871 erfuhr Bismarck vor allem nach seiner Entlassung in den 1890er Jahren und postum eine schier kultische Verehrung, die sich noch heute sehr gut nachvollziehen lässt - sowohl in Gestalt der vielerorts erhaltenen Bismarcktürme, als auch anhand der nicht minder bemerkenswerten Anzahl an Bildnissen, inklusive Repliken, von der Hand des Münchener Malers (vgl. Alice Laura Arnold, 2004). Auch der opulent gestaltete Ädikula-Rahmen des Dresdener Porträts, der italienischen Renaissance entlehnt, diente der Erhöhung des Staatsmannes zur nationalen Heiden- und Identifikationsfigur: Mit »Princeps Otto De Bismarck/lmperii Fundator/PropugnatorGermaniae/Patriae In Serviendo Consumor« prangen Name, Verdienste und ein Ausspruch in Versalien auf einer Tabula ansata unterhalb des Porträtierten. Auf den pilasterförmigen Seitenelementen des Rahmens verstärken in Relief geschnitzte römisch-antike Trophäen als Siegeszeichen den Denkmalcharakter des Kunstwerks. Offenbar war dies ein geläufiges Modell; andere Bismarck-Porträts von Lenbach weisen sehr ähnliche bzw. fast identische Rahmungen auf, wie ein abgebildetes Beispiel im Katalog zur Deutschen Kunstausstellung Dresden 1899 oder ein Porträt des Reichskanzlers in Friedrichsruh, Otto-von-Bismarck- Stiftung, belegen. In den Häusern und Villen des gehobenen Bürgertums hing manches dieser Bildnisse aIs eine Art Hausaltar, so auch dieses Porträt seit 1908 im Elbschloss des Großindustriellen Karl August Lingner in Dresden. Den Blick lenkte Lenbach effektreich auf den en face wiedergegebenen, in helles Licht getauchten und aus dem Halbdunkel herausmodellierten Kopf des Kanzlers. Den charakteristischen gedeckten Galerieton entwickelte der Maler wohl vor allem durch seine Kopien Alter Meister in den 1860er Jahren; aus der Dresdener Gemäldegalerie blieb ihm insbesondere Tizians »Zinsgroschen« in Erinnerung (Brief an eine unbekannte Adressatin, 10.5.1884). Lingner, der mit dem Mundwasser »Odol« berühmt und vermögend gewordene Unternehmer, besaß von Lenbach außerdem ein 1899 datiertes Pastellbildnis der 20-jährigen australischen Varieté-Tänzerin Saharet.
(Andreas Dehmer: 2010)
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