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Sammlung Otto Link, Leipzig.

„Für den Regisseur. „Ausgewiesen!“ spielt innerhalb der Zeit des Ausnahmegesetzes: von 1878 bis 1890 – in welcher man einem Staatsbürger, ohne jede Gerichtsverhandlung, einfach durch eine polizeiliche Ausweisungsordre, die Heimat nehmen konnte, hat also gewissermaßen historischen Hintergrund, ist jedoch ein vollständig modernes Stück und ragt tief herein in unsere aktuelle Gegenwart. „Es schildert in hochdramatischer, mächtig packender Weise eine sich auf dem zeitlichen Hintergrund jenes Gesetzes abspielende Familiengeschichte, wie durcherbärmliche Denunzation ein blühendes Familienglück zertrümmert, die Existenz vieler Unschuldiger vernichtet, die Ehre eines braven Mannes zertreten wird.)
In all den Städten, in welchen das Stück bisher zur Aufführung gelangte, in Berlin, Hamburg, Leipzig, Frankfurt a.M., Nürnberg, Erfurt, Lübeck, Regensburg, Zürich, Bern, Karlsbad, Chicago usw. – stets errang es tiefgreifenden Erfolg.“

Textbücher übernahmen bei den Puppenspielern die Rolle des Souffleurs. Sie waren während der Vorstellung für alle Spieler gut sichtbar abgelegt und wurden während des Spielverlaufs ständig umgeblättert.

Sammlung Otto Link, Leipzig.
Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

Creditline
Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
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