Der Dolch mit seinem reich geschnitzten Buchsbaumgriff zählt zu den herausragenden Stücken des 15. Jahrhunderts im Bestand der Rüstkammer. Der erste Inventareintrag stammt von 1671 und führt den Dolch mit einer Lederscheide sowie einem mit Gold geprägtem Futteral samt schriftlichem Dokument auf.

Mit dem Motiv der hohen Frau (der Frau Minne), die den Wilden Mann bändigt, wird in der Schnitzerei das ideale Frauenbild im Spätmittelalter vorgeführt. Man erkennt eine geflügelte Dame mit Haube, die auf einem aus zwei Wilden Männern gebildeten Thron sitzt und ein Hündchen - Zeichen für Häuslichkeit - auf dem Schoß hält. Daneben sieht man einen weiteren Wilden Mann, der von einer Frau gefesselt an einer Kette geführt wird. Spätgotische Architekturmotive überfangen die figürlichen Szenen.

Das dazugehörige Dokument impliziert, dass der Dolch im 16. Jahrhundert aus dem Nachlass der Merseburger Bischöfe in den Besitz der sächsischen Kurfürsten gelangte. Der Text weist den Dolch zudem in das 11. Jahrhundert, zu Rudolf von Rheinfelden, Herzog von Schwaben (um 1025–1080). Nach der Bannung des römisch-deutschen Königs Heinrich IV. (1050–1106) im Jahr 1077 wurde Rudolf durch die Fürstenopposition zum Gegenkönig gewählt. Er starb aber bereits 1080, nachdem er im Kampf gegen Heinrich IV. schwer verwundet wurde und dabei seine rechte Hand verlor. Den Dolch soll er - so das beigegebene Dokument - bei diesem letzten Kampf geführt haben.

Die Buchsbaumschnitzerei ist thematisch und künstlerisch im 15. Jahrhundert anzusetzen. Eine Klinge aus dem 16. Jahrhundert verwandelte das Objekt in eine Waffe vom Typ eines Scheibendolchs. Aus dem 17. Jahrhundert stammen das Dokument sowie das Futteral. Da das Stück nicht vor 1671 in Dresden nachweisbar ist, kann nur vermutet werden, dass der Dolch im 16. oder 17. Jahrhundert bewusst als ein vermeintlich bezeugtes, historisches Sachzeugnis des 11. Jahrhunderts kreiert wurde.
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