Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer 2706
Ort, Datierung
Abmessungen
20,9 x 14,6 x 0,4 cm, 92 S.
Inventarnummer
2706
Sammlung Otto Link, Leipzig.

Das Heft "Das deutsche Puppenspiel. Einsatz, Erfolge und Zielsetzung" erschien zu Beginn des Jahres 1939 in einer Auflage von mehreren zehntausend Stück und wurde in ganz Deutschland u. a. an die KdF-Ortsstellen verteilt. Es erschien ohne Nennung von Namen, wichtigste Autoren waren aber die NS-Funktionäre Otto Schmidt, Gottfried Anacker und Siegfried Raeck. Weiterhin konnten als Autoren u. a. die Puppenspieler Max Jacob und Georg Deininger identifiziert werden.

Preiswerte Ausgabe zum kostenlosen Verteilen, bei der nur die Bilder auf Kunstdruckpapier gedruckt wurden. Daneben gab es noch eine hochwertigere Verlagsausgabe für den Handel.

Hintergrundinformationen zum Puppenspiel im Nationalsozialismus
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
Bilder dieses Heftes: Bildarchiv Amt Feierabend, Berlin; Bildarchiv JZB. "Freude und Arbeit, Berlin; Bittner, Berlin; Brecht, Stuttgart; Dietz, Frankfurt a. M.; Giegold-Schilling, Halle-Saale; Holtmann, Stuttgart; Janke, Nürnberg; Kastner, Dortmund; Koch, München; Landgraf, Aue-Sa.; Maeschke, Berlin; Ohler, Stuttgart; v. Perkhammer, Berlin; Preim, Aachen; Rubbert, Berlin; Rulff, Bad Pyrmont; Scherl-Bilderdienst, Berlin; Schimmrich, Leipzig; Schmidt, Hohnstein; Schröder, Radebeul; Sorani, Wuppertal; Sporrer, Stuttgart; Stoja, Nürnberg; Walther, Berlin; Wolbrandt, Hamburg. Entwurf des Umschlages: Hanns Zethmeyer, Leipzig. Verlag der Deutschen Arbeitsfront GmbH., Berlin - Druckort Leipzig - D 3447.
Abteilung Volkstum-Brauchtum Amt 'Feierabend' der NSG. 'Kraft durch Freude': Das deutsche Puppenspiel. Einsatz, Erfolge und Zielsetzung, Berlin 1939.

Sammlung Otto Link, Leipzig.

Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

Creditline
Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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