Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer 1083 d
Material und Technik
Abmessungen
30,8 x 39,4 cm
Inventarnummer
1083 d
Die Firma Oehmigke & Riemschneider in Neuruppin war im 19. Jahrhundert einer der bekanntesten Produzenten von Bilderbogen in Deutschland. Der Berliner Buchhändler Philipp Johann Oehmigke (1807-1858) eröffnete 1828 eine Buchhandlung in Neuruppin, in die er 1831 Arnold Hermann Riemschneider (1806-1856) als Teilhaber aufnahm. Beide schlossen ihrem Unternehmen 1835 eine Druckerei an und nahmen ab etwa 1840 auch Bilderbogen für Papiertheater in ihr Programm auf. Wie die Erzeugnisse ihres Neuruppiner Konkurrenten Gustav Kühn waren die Bogen mit ihrer einfachen Papierqualität eher für die unteren sozialen Schichten bestimmt. Die Kolorierung erfolgte in Heimarbeit durch Frauen und Kinder und auch in Gefängnissen und Armenhäusern. Die Motive wurden oft den Verlagsprodukten der höherwertigen Konkurrenz nachgeahmt und sind meist seitenverkehrt wiedergegeben. Blätter für das Papiertheater wurden bis etwa 1920 gedruckt, die Bilderbogenproduktion in den 1930er Jahren gänzlich eingestellt. Die Firma überstand den Zweiten Weltkrieg, wurde aber 1953 verstaatlicht.
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
Neu-Ruppin, bei Oehmigke & Riemschneider.

Sammlung Otto Link, Leipzig.
Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

Creditline
Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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