Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer 3802 a
Ort, Datierung
Material und Technik
Abmessungen
35,0 x 50,0 cm
Inventarnummer
3802 a
Der Verlag A. Haase wurde 1798 von dem aus Halberstadt zugewanderten Buchhändler und Buchdrucker Gottlieb Haase (1765-1824) in Prag gegründet. Nach seinem plötzlichen Tod übernahmen 1824 die Söhne Ludwig (*1801) und Andreas (*1804-1864) das weitverzweigte Geschäft, das damals aus Buchdruckerei, Papierhandlung, Steindruckerei, Schriftgießerei und Buchhandlung bestand, unter der Firma „Gottlieb Haase Söhne“. Später schlossen sich ihnen noch die jüngeren Brüder Gottlieb junior (*1809) und Rudolph (*1811). 1827 kam noch ein Zeitungsverlag hinzu und bald auch die Produktion von Kalendern hinzu. 1837 wurde dem Unternehmen noch eine Papierfabrik angeschlossen. Die Umfirmierung in „A. Haase“ erfolgte um 1880. Später gab es verschiedene Geschäftsfelder, u. a. die Produktion von Schulbüchern. Die letzte Verlagsveröffentlichung erfolgte 1944. – Die Bogen der Serie enthalten keine Hinweise auf den Verlag, sondern nur die Verlagsnummer 8980. Nach Auskunft von Purschke, der mit zahlreichen tschechoslowakischen Sammlern in Verbindung stand, stammten die Bogen aus dem Verlag Haase und waren um 1943 sehr selten geworden.
Walter Röhler: Tabellen zur Geschichte des Theaterbilderbogens. 1. Teil: Die Produktion der deutschen Firmen, Hanau 1994 (= Weiße Reihe des Papiertheaters, 3), S. 82

Sammlung Otto Link, Leipzig.

Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

Creditline
Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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