Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer 4215,1+2
Ort, Datierung
Material und Technik
Abmessungen
57,3 x 81,8 cm
Inventarnummer
4215,1+2
Der Verlag Vilímek wurde 1858 in Prag von Josef Richard Vilímek dem Älteren (1835-1911) gegründet. Er entwickelte sich rasch zu einem der bedeutendsten tschechischsprachigen Verlage in Böhmen. Neben Almanachen und Kalendern wurden hier die Puppenspiele des traditionellen Marionettenspielers Matěj Kopecký erstmals veröffentlicht. Vilímek, der auch böhmischer Parlamentsabgeordneter war, übergab die Leitung des Verlags 1885 an seinen Sohn Josef Richard Vilímek den Jüngeren (1860-1938), der u. a. die Werke von Jules Verne, Karl May und Arthur Conan Doyle verlegte und 1894 eine erste Serie von 16 Dekorationen, gezeichnet von K. Stapfer, mit dem Hintergrundmaß 21 x 30 cm veröffentlichte. Diese orientierten sich noch an deutschen Vorbildern. Allerdings fehlten bei ihnen die Figurenbogen. Ab 1930 gab Vilímek auch die tschechische Puppenspielzeitschrift „Loutkár“ heraus. 1932 erschienen zwei Dekorationsserien im Format 32 x 50 cm für kleine Stabmarionetten unter dem Titel "Scheinerovo Loutkové Divadlo" (Scheiners Puppentheater). Sie wurden von dem Illustrator Artus Scheiner (1863-1938) entworfen. Die Serien wurden in Mappen geliefert. Eine Mappe enthielt 15 Dekorationsbogen. 1947 wurde eine letzte Dekorationsserie in neuem Stil und mit neuer Bauweise veröffentlicht (nicht mehr ein Hintergrund mit festen Kulissenpaaren, sondern ein Baukastensystem). Mit den 34 Bogen der Serie konnten 150 verschiedene Szenerien geschaffen werden. Die Blätter im Format 50 x 70 cm wurde von dem Grafiker Jaroslav Svab (1906-1999) gestaltet. Der Verlag J. R. Vilímek wurde 1948 verstaatlicht und im darauffolgenden Jahr liquidiert.
Walter Röhler: Tabellen zur Geschichte des Theaterbilderbogens. II. Teil: Europa und Amerika, Hanau 1994 (= Weiße Reihe des Papiertheaters, 4), S. 84

Sammlung Otto Link, Leipzig.

Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

Creditline
Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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