Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer Z 713
Ort, Datierung
Material und Technik
Abmessungen
21,7 x 20,9 cm
Inventarnummer
Z 713
Am 17. Juni 1920 lag der Florentiner Tageszeitung La Nazione ein Flugblatt bei. Es trägt den Titel Taglio della Tuta (Schnittmuster der Tuta) und zeigt die Frontalansicht eines Overalls sowie eine Anordnung einzelner Schnittteile dieses Kleidungsstückes. Die Schnittvorlage und der ergänzende Text stammen von dem Künstler und Gestalter Thayaht.
Der Entwurf wirkt zweckmäßig reduziert und streng symmetrisch. Er erinnert an einen Arbeitsanzug oder eine Uniform. Laut Thayaht steht die Tuta für Bewegungsfreiheit und Eleganz. Darüber hinaus sollte sie aber die Unterschiede zwischen den sozialen Klassen verbergen. Die Anfertigung einer Tuta ist einfach und benötigt nur wenig Material. Durch die Veröffentlichung in der Zeitung wollte Thayaht möglichst viele Menschen erreichen und sie dazu bewegen, den Entwurf eigenständig umzusetzen.
In einem Brief vom 25. Juni 1920 träumt Thayaht bereits von einem Florenz voller Männer, Frauen und Kinder, die die Tuta tragen. Fotografien zeigen das Kleidungsstück aber fast ausschließlich an Thayaht in selbstbewusster Haltung. Auf einer Frontalaufnahme mit ausgestreckten Armen und geschlossenen Beinen bilden Körper und die Tuta eine Einheit und nehmen die Form des Buchstabens T an: Für T wie Tuta und T wie Thayaht. So hat er im Alter von 26 Jahren nicht nur ein neuartiges Kleidungsstück entworfen, sondern auch sich selbst als Künstlerfigur erfunden.
Etwa zehn Jahre später trat Thayaht einer faschistischen Künstlerkonföderation sowie dem Kreis der italienischen Futuristen bei. 1932 forderte Thayaht noch einmal in einem Manifest eine radikale Veränderung der zumeist schweren und farblosen Herrenbekleidung – und verwies dabei erneut auf die Tuta.
Text: David Wittinghofer, Kuratorischer Assistent

On June 17, 1920, a flyer titled Taglio della Tuta (Pattern of the Tuta) was included with the Florentine daily newspaper La Nazione. It featured a front view of a trouser suit along with an arrangement of individual pattern pieces for the garment. The pattern and accompanying text were by the artist and designer Thayaht.
The design is functionally minimalist and strictly symmetrical, resembling a pair of overalls or a uniform. Thayaht described the Tuta as representing freedom of movement and elegance while also aiming to obscure differences between social classes. Making a Tuta is simple and requires few materials. By publishing it in a newspaper, Thayaht wanted to reach as many people as possible and encourage them to make the design themselves.
In a letter dated June 25, 1920, Thayaht envisioned Florence full of men, women, and children all wearing the Tuta. Yet, photographs mostly depict Thayaht himself donning the outfit, striking a confident pose. In one notable image, he stands with arms stretched and legs together, merging body and garment into the shape of the letter T, symbolizing both Tuta and Thayaht. At just 26, he not only designed a new type of garment but also reinvented himself as an artistic figure.
About a decade later, Thayaht joined a confederation of fascist artists and became part of the Italian Futurist movement. In 1932, he again called for a radical transformation of predominantly heavy and colorless menswear in a manifesto, once more referencing the Tuta.
Text: David Wittinghofer, Curatorial Assistant

Schenkung von Egidio Marzona

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