Ort, Datierung
Material und Technik
Abmessungen
75,5 x 105 cm
Inventarnummer
Gal.-Nr. 832
Der legendäre Turm zu Babel, ein gewaltiger, pyramidenartig aufragender Rundbau, überragt eine weite, vielgestaltige Landschaft, die aus mehreren unterschiedlichen geografische Regionen besteht. In seiner komplizierten, mehrschaligen Konstruktionsweise erinnert der gigantische Turm an zwei berühmte Babelturmbilder von Pieter Bruegel d. Ä., ohne deren Vorbild diese Darstellung nicht denkbar wäre. Das Bauwerk ist in allen, durch unzählige Treppen miteinander verbundenen Etagen bereits bewohnt und es entsteht der Eindruck, als berge es das vielfältige Leben einer ganzen Stadt in seinen Mauern. Im dunkleren Vordergrundbereich erblickt man unter einem Sonnenschirm den sagenhaften König Nimrod und Erbauer des Turmes mit seinem Gefolge. Er inspiziert die in zahlreichen unterschiedlichen Gewerken an der Vollendung des Baus mitwirkenden Arbeiter. Die Gruppe der Steinmetze rechts im Vordergrund fällt durch ihre im Vergleich zur Umgebung merkwürdig überproportionierten und antikisierend wirkenden Körperformen auf, die Einflüsse venezianischer Malerei erkennen lassen.

Darstellungen des Turmbaus von Babel waren an der Wende zum 17. Jahrhundert eines der beliebtesten und gefragtesten Themen der Landschaftsmalerei nördlich der Alpen. Die biblische Geschichte vom Bau des Turms (1. Mose 11,1–9) besitzt eine existenzielle Dimension, denn das „bis zum Himmel“ reichende Bauwerk ist ein Symbol für das Scheitern der Menschheit in ihrem Bestreben, sich mit Gott messen zu wollen. Doch steht hier nicht die Zerstörung des Turmes oder die Zerstreuung der Menschheit im Mittelpunkt, sondern das kollektive Streben nach Vollendung eines alles menschliche Maß überragenden Bauwerks mit dem Anspruch der Gottgleichheit. Die formale Anspielung an das antike Kolosseum in Rom ist von den Zeitgenossen Valckenborchs verstanden worden. Offenbar deutete man sie auch als Angriff auf das im babylonischen Sinne verkommene römische Papsttum, das der gerechten Strafe Gottes sicher sei.
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
Bez. unten in der Mitte am Stein: MARTIN VAN VALCKENBORCH FECIT. ET INVENTOR M V V 1595
Literatur
Harald Marx: Gemäldegalerie Dresden, Alte Meister, Führer, Leipzig 2006 (3, überarb. Aufl.).
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