Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster

Vermeer, Johannes (1632-1675) - Maler
Ort, Datierung
Material und Technik
Abmessungen
83 x 64,5 cm
Inventarnummer
Gal.-Nr. 1336
Das Gemälde steht am Beginn einer Reihe stiller Interieurszenen mit wenigen Figuren, die seit Ende der 1650er Jahre für Vermeers Schaffen charakteristisch waren. Insbesondere das Thema der mit dem Verfassen oder Lesen eines Briefes beschäftigten Frau findet sich mehrfach in seinem Werk; wohl als Folge der seit Mitte des Jahrhunderts in Holland verbreiteten Mode des Briefe Schreibens. Der Blick des Betrachters wird in die Ecke eines Raumes gelenkt, in dem ein Mädchen in strengem Profil, hinter einem Tisch stehend, einen Brief liest. Das Licht fällt von links durch ein weit geöffnetes Fenster, erhellt vor allem den Brief und das Gesicht der Lesenden und vervielfacht seine Wirkung in zahlreichen Reflexionen. Besonders hervorgehoben durch die Spiegelung des Mädchengesichtes in der Fensterscheibe, wird der stille Vorgang des Lesens zum Mittelpunkt der Darstellung. Vermeer vermochte es, durch eine perfekte Umformung der Realität in seinen Bildern den Eindruck großer Naturnähe hervorzurufen. Er bediente sich dazu optischer und perspektivischer Hilfsmittel, etwa der Camera Obscura, deren Verwendung auch für bestimmte malerische Effekte in der Dresdener Briefleserin verantwortlich sein könnte. Röntgenuntersuchungen ergaben, dass Vermeer in Laufe des Malprozesses eine Reihe von Veränderungen an diesem Gemälde vorgenommen hat. Er übermalte die Darstellung eines Cupido, die sich als „Bild im Bild“ ursprünglich an der Wandfläche über dem Kopf der Briefleserin befand. Ein deutlicherer Hinweis auf den verborgenen – amourösen – Inhalt des Briefes war für den zeitgenössischen Betrachter kaum denkbar.
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
Bez. rechts zw. Mädchengestalt und Vorhang (nur noch Reste vorhanden)
Literatur
Jørgen Wadum: Vermeer and faux marbling, in: Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Birgit Dalbajewa, Andreas Dehmer, Konstanze Krüger, Uta Neidhardt und Christoph Schölzel (Hg.): Die Macht der Malkunst. Beiträge aus Werkstatt und Wissenschaft zu Ehren von Marlies Giebe, Dresden 2020, S. S. 42–43.
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