Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer L 445
Ort, Datierung
Abmessungen
19,5 x 15,3 x 0,4 cm, 48 S.
Inventarnummer
L 445
Sammlung Otto Link, Leipzig. Schenkung Max Radestock, Finsterwalde 1928.
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
Copyright 1924 by Verlag Aufbau Berlin
Verlag Aufbau / 1924
Herausgegeben vom Keren Kajemeth Lejisrael Jüdischer Nationalfonds e. V., Berlin W / Meinekestr. 10

Wer geschickt ist, kann sie nach den Vorbildern vielleicht selbst anfertigen. Original-Holzpuppen zu den Spielen sind zu beziehen durch: Frau Käte Baer-Freyer, Berlin-Halensee, Albrecht-Achilles-Straße 58.
Die Biblischen Puppenspiele sind das erste Buch, das im Verlag "AUFBAU" vom Keren Kajemeth Lejisrael (Jüdischer Nationalfonds, Zentrale für Deutschland, Berlin W15, Meinestraße 10) herausgegeben wurde. Die im "AUFBAU" erscheinenden Bücher werden Material liefern für Feiern und Aufführungen, insbesondere für solche, die zu Gunsten des Keren Kajemeth veranstaltet werden. Der Keren Kajemath hat die Aufgabe, Boden in Palästina zu unveräußerlichem Eigentum des jüdischen Volkes zu erwerben und Siedlern in Erbpacht zu übergeben. Seit seiner Gründung im Jahre 1901 erwarb er in Palästina in großem Umfange Ländereien, auf denen sich mehr als 30 landwirtschaftliche Siedlungen und drei städtische Viertel befinden. Die Mittel hierzu - bisher 1200 000 Pfund Sterling - wurden durch den Keren Kajemeth mit Hilfe von großen, kleinen und kleinsten Spenden aus allen Kreisen des jüdischen Volkes aufgebracht.

Das Buch wurde im August 1924 in einer Anzahl von 2000 Exemplaren in der Offizin Otto von Holten, Berlin, gedruckt, die Klischees lieferte die Firma Richard Labisch & Co., Berlin, die Bilder wurden handkoloriert. 20 Exemplare wurden von Käte Baer-Freyer koloriert und von ihr und dem Verfasser signiert.
Albert Baer: Biblische Puppenspiele. Figurinen von Käte Baer-Freyer, Berlin 1924.

Sammlung Otto Link, Leipzig.
Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

Creditline
Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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