Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer 49930 d
Ort, Datierung
Republik Südafrika, ehem. Provinz Transvaal
Material und Technik
Abmessungen
16,5 x 4,3 x 2,6 cm
Inventarnummer
49930 d
Das Objekt war Teil des Forschungsprojektes „Geschichte und Provenienz der Ethnologischen Sammlungen Mylau Reichenbach" (2022). Aktueller Kenntnisstand und Zuschreibung des Objekts sind im Folgenden aus dem Projektbericht wiedergegeben:

Objektbezeichnung: Hakata (Venda und Shona) | Wahrsagetafel (deutsch)
"Bei diesen Objekten handelt es sich um hölzerne Divinationstafeln in unterschiedlichen Größen und Formen, größtenteils rechteckig. Sie werden in der Regel von Wahrsager*innen oder ihren Lehrer*innen hergestellt (siehe Van Binsbergen, 1996). Die Tafeln weisen deutlich unterschiedliche Muster auf der Vorderseite auf, wodurch sich die Vorderseite von der Rückseite unterscheidet. Die Einritzungen auf diesen Tafeln deuten darauf hin, dass viele von ihnen – wenn nicht sogar alle – von den Venda oder Shona stammen könnten, die sie als Hakata bezeichnen. Beispielsweise ist in die letzten beiden Tafeln ein Krokodil eingeschnitzt, das bei den Venda und Shona als totemistisches Wesen gilt. Die vierte Tafel von rechts zeigt eine Zeremonialwaffe der Shona namens gano, deren Klinge einem Halbmond ähnelt. Die gano-Axt wurde üblicherweise von den Ritualverantwortlichen der Shona, den Nghana, getragen. Unter diesen Tafeln existiert eine Hierarchie: Junior-Tafeln haben Kerben, Senior-Tafeln nicht. Die hier gezeigten Tafeln könnten somit alle als Senior-Tafeln beschrieben werden. Sowohl Junior- als auch Senior-Tafelgruppen werden intern wiederum nach Geschlecht in männliche und weibliche Tafeln unterteilt. Männliche Junior-Tafeln werden Luwame genannt und weisen unten nur eine Kerbe auf, während weibliche Junior-Tafeln, die als Ntakwala bezeichnet werden, unten zwei Kerben haben. Männliche Senior-Tafeln, die chilume genannt werden, zeichnen sich durch eingeritzte Waffen wie Äxte oder Speere aus, während weibliche Senior-Tafeln, die als Kwame bezeichnet werden, durch eingeritzte Augen, Häuser oder zwei Rautengruppen gekennzeichnet sind, die das Bild weiblicher Brüste andeuten, wie auf der sechsten Tafel von rechts zu sehen ist. Normalerweise treten die Tafeln in Vierergruppen auf und werden durch die kleinen Löcher an der Oberseite mit einem Lederband zusammengebunden. Bei den zehn Tafeln in dieser Studie könnte es sich folglich um eine Sammlung von zweieinhalb Tafelsets handeln, die wahrscheinlich auch von verschiedenen Wahrsager*innen und Orten stammen. Als Wahrsageobjekt war diese Tafel nur im Besitz von Wahrsagern. Daher konnte es nicht als Geschenk angeboten, selbst hergestellt oder gekauft werden."

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"These objects are wooden divination tablets of different sizes and shapes, mostly rectangular, and are usually made by a diviner or his/her teacher (see Van Binsbergen, 1996). The tablets have significantly different incision patterns made in the front of the tablets to distinguish the front from the back. The incisions on these tablets suggest that many, if not all of them, might have originated from the Venda or Shona people, who call them Hakata. For example, the last two tablets have the incision of a crocodile, which is a totemic being among the Venda and Shona people. The incision on the fourth tablet from the right is that of the Shona ceremonial weapon called gano, whose blade is designed to resemble a half-moon. Shona ritual specialists known as the Nghana were the common carriers of the axe gano. There is a hierarchy among these tablets: the junior tablets which have notches vs. senior tablets which do not have notches. Hence, the tablets above might all be described as senior tablets. Both junior and senior tablet groups are internally sub-divided based on gender into male and female tablets. Junior male tablets called Luwame only have one notch at the bottom, while junior female tablet called Ntakwala, have two notches at the bottom. Senior male tablets called chilume, are marked via the incisions of weapons like axe or spear, while the senior female ones called Kwame, are marked the incisions like eye, a house, or two sets of rhombuses suggesting the image of female breasts, as it occurs on the 6th tablet from the right. Usually, the tablets occur in fours, and are bound together through the little holes on the top, using a hide thong. This implies that the ten tablets in this study are collection of two and a half set of tablets, probably from different diviners and locations as well. As divination objects, these tablets were only possessed by not just be anyone, but diviners; hence, it could not be offered as a gift, self-made of oneself, or bought."

(Michael Angitso, 2022/23)
Spuren des Regenbogens: Kunst und Leben im südlichen Afrika; [anläßlich der Ausstellung "Spuren des Regenbogens - Leben im Südlichen Afrika" im Schlossmuseum Linz am Oberösterreichischen Landesmuseum vom 2. April bis 4. November 2001], Ausst.-Kat. hg. von Stefan Eisenhofer, Linz 2001, Abb. 197-198

Der Sammler Otto Simon war von 1891-1897 als Münzmeister in Pretoria, in der damaligen Südafrikanischen Republik (auch: Transvaal-Republik) tätig. Es ist davon auszugehen, dass er dieses und weitere Objekte dort unter bisher ungeklärten Umständen sammelte und mit nach Reichenbach brachte.
(Lore Liebscher, 2022/23)

Provenienzkette:
Otto Simon (wohl 1891-97 gesammelt, bis 1915); Museum des Vereins für Naturkunde zu Reichenbach (1915 bis 1941); Museum für Völkerkunde Dresden (seit 1941)
(Oppermann, SES, 2023)

Creditline
Museum für Völkerkunde Dresden, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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