Hauptbild des Objekts
Ort, Datierung
Abmessungen
22,5 x 34 x 8,5 cm
Inventarnummer
A 293
Schlagworte
Sammlung Otto Link, Leipzig. Nachlass Tilla Schmidt-Ziegler, Leipzig 1946.

Tilla Schmidt-Ziegler (1875-1946) war eine der ersten künstlerischen Handpuppenspielerinnen Deutschlands. Sie stammte aus einer Schweizer Gelehrtenfamilie und wuchs in Würzburg, Tübingen und Freiburg auf, wo sie den Juristen Prof. Dr. Richard Schmidt (1862-1944) heiratete. Nach dessen Berufung an die Universität Leipzig zog sie mit ihm 1913 an die Pleiße. Sie war musisch begabt und trat öffentlich als Sängerin, Musikerin und Vortragskünstlerin auf. 1910 gab sie in Freiburg Aufführungen auf einem Schattentheater, das sie von Urgroßeltern in Bern geerbt hatte. Mit dem Handpuppenspiel beschäftigte sie sich erstmals 1930. Den Sommer verbrachte sie stets in Malcesine am Gardasee. Dort begann sie nun Handpuppenaufführungen für die Kinder der Umgebung in italienischer Sprache zu geben. Nach der Emeritierung ihres Mannes setzte sie diese Beschäftigung ab 1932 auch in Leipzig fort. Tilla Schmidt-Ziegler verstand sich als Berufspuppenspielerin, konnte davon jedoch nie leben. Sie investierte sehr viel Zeit und Geld in ihre Puppen und Texte. Kritiker warfen ihr immer wieder vor, dass ihre Aufführungen für Kinder zu intellektuell wären und zu wenig Mitspielmöglichkeiten böten. Zugleich wurden ihre Abendspiele, die von tiefen Gefühlen durchdrungen waren, außergewöhnlich gelobt. Von der Spielweise der Hohnsteiner, die sie als anbiedernd gegenüber dem Publikum empfand, distanzierte sie sich. Zahlreiche ihrer Texte wurden gedruckt (bei Langen-Müller und bei Wunderlich). Tilla Schmidt-Ziegler vermachte ihren Fundus und ihren schriftlichen Nachlass dem Sammler Otto Link. Er befindet sich heute geschlossen in der Puppentheatersammlung.

Sammlung Otto Link, Leipzig.

Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

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