Ort, Datierung
Abmessungen
79 x 23 x 15,5 cm
Inventarnummer
20820
Carl Iwowski war einer der ersten künstlerischen Handpuppenspieler Deutschlands. Der gelernte Kaufmann und Wandervogel aus Hamburg war 1916 als Spezialist für den Lederhandel nach Berlin berufen worden, wo er seine Bühne 1919 gründete, um die Kinder vom „Kinogift“ wegzubringen. Gemeinsam mit verschiedenen Mitspielern wie Max Radestock und Hermann Rulff, die später eigene Bühnen gründeten, reiste er mit unkonventionell gestalteten großen Handpuppen durch den ganzen deutschen Sprachraum. Bereits früh sucht Iwowski den Anschluss an Verbände wie das Deutsche Jugendwerk, die Fichte-Gesellschaft, den Bühnenvolksbund und nach 1933 die NS-Kulturgemeinde. 1928 gastierte er mit seiner Frau Ilse, geb. Stoppa, in den großen Kaufhäusern der Weimarer Republik, in denen sie Figuren nach einem frühen Comicstrip von Hans Kossatz, lebendig werden ließen. 1931 assoziierten sie sich mit dem Schattenspieler Heinz Ohlendorf, der 1933 als Funktionär zur Hitlerjugend ging. Anlässlich der 700-Jahr-Feier Berlins 1937 eröffneten die Iwowski-Puppenspiele eine große Marionettenbühne, die fortan im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit stehen sollte. Als letzte Neuinszenierungen mit Marionetten entstanden „Bällchen Schnellchen“ (1951) und „Knäulchen auf Wanderschaft“ (1953). 1954 wirkte das Ehepaar Iwowski am DEFA-Spielfilm „Pole Poppenspäler“ nach der Novelle von Theodor Storm mit. Carl Iwowski entwarf die Figuren nach Vorbildern des Krakauer Altars von Veit Stoß. Ein Möbeltischler der Defa-Werkstätten schnitzte die Figuren, die Kostüme wurden ebenfalls in den Defa-Werkstätten gefertigt. Carl und Ilse Iwowski führten alle Marionetten, sind aber im Film nicht zu sehen. Die Figuren sowie das Modell der Marionettenbühne gingen dann in ihren Besitz über. 1958 wurde der Spielbetrieb der Iwowski-Puppenspiele aus gesundheitlichen Gründen eingestellt.
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