Abbildung: Transkulturelle Akademie „Zukünftigkeiten“ 2023, Workshop mit Simona Malvezzi im Studio der Forschung SKD © Doreen Mende


2024 steht die Transkulturelle Akademie unter dem Titel „Unvollendete Öffentlichkeiten: Kunst und Demokratie“. Das Versprechen der „Demokratie“ wird in unserer Zeit als Bedingung für die Freiheit der Kunst und Wissenschaft eindringlich diskutiert. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit stehen Fragen an und nach Demokratie als Grundbedingung für eine Praxis der Gerechtigkeit im Zentrum vieler Debatten. Sie erfassen auch den spezifischen Kontext des Ausstellens in Museen sowie die Werte der Kunst. Die Debatte ist nicht neu, denn seit der Moderne, d. h. mit den Auswirkungen der haitianischen Revolution sowie der französischen Revolution, werden Modelle der Demokratie erkämpft, erprobt und gelebt. In Deutschland arbeitete man beispielsweise nach 1989 intensiv an demokratischen Alternativen zu westlichen Demokratiemodellen. Im Klima des Erstarkens von ethno-nationalistischen Kräften weltweit wird aktuell von antidemokratischen Bedrohungen oder der Gefahr von illiberaler Demokratie gesprochen.

Wie werden demokratische Prozesse durch künstlerische Mittel reflektiert? Wie spiegeln sich diese in den Sammlungen der SKD wieder? Welche Visualitäten erzeugen die Kämpfe um Demokratie? Welche Rolle hat das Museum als Ort der Kunst, des Forschens und der Wissensproduktion – mit seinen Materialitäten, Historien, Technologien, Wertekategorien, Traditionen, Gemeinschaften – in diesen Debatten? Wie autonom sind die Künste in Diskussionen um Demokratie als unvollendeter Prozess?

Im Rahmen der Transkulturellen Akademie 2024 der SKD ermöglicht die Forschungsabteilung für 12 Teilnehmende ein mehrteiliges Curriculum in Form von Rundgängen, Workshops und Gesprächen. Die Künstlerin Lizza May David und die Kuratorin und Pädagogin Joanna Warsza begleiten das Projekt als Mentorinnen, und auch Wissenschaftler*innen der SKD stehen für spezifische Forschungsinteressen zum Austausch zur Verfügung. Das Programm findet von Mai bis Oktober 2024 statt.

In verschiedenen Projektteilen widmet sich die Transkulturelle Akademie der Erkundung von Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten von Bildern, Räumen, Kodierungen, oder Allegorien von demokratischen Prozessen in Werken der Sammlungen. Die Teilnehmenden sind dazu eingeladen, ausgewählte Werke im Gespräch mit Wissenschaftler*innen und Mentor*innen daraufhin zu erforschen. Gemeinsam werden ausgewählte Objekte auf ihre heutige gesellschaftliche Relevanz für Debatten über Demokratie befragt, das Bewusstsein für ihre historischen Kodexe ist dabei unabdingbar. Diese Kollektion dient als Recherchebasis.

Ein ebenso wesentlicher Teil der Akademie ist die Erarbeitung von kuratorischen Methoden, um die Forschungsprozesse, auch wenn sie unvollendet bleiben, öffentlich sichtbar zu machen. Die Teilnehmenden erproben dazu verschiedene Wege des öffentlich Machens ihrer Forschungsergebnisse, angelehnt an unterschiedliche Praxisformen des öffentlich Machens im Museum. Beispielsweise in Bezug auf die Veröffentlichung institutioneller Entscheidungen, von Narrativen über Kunstwerke oder politische, mediale wie kunstbezogene Debatten. Die Bewusstwerdung für verschiedene Möglichkeiten, wie etwas unabhängig von einem definierten Zielpublikum öffentlich werden kann, soll oder muss, ist Ziel der Übung. In der finalen Assembly School vom 21.-25.10.24 werden öffentliche und interne Programme angeboten, und abschließend die Forschungsergebnisse und ihre Veröffentlichung präsentiert.

Die Akademie richtet sich an Künstler*innen, Kurator*innen, Vermittler*innen, Geisteswissenschaftler*innen, Filmemacher*innen, Forschende im erweiterten und forschungsbasierten Feld der Kunst nach dem kürzlichen Abschluss eines Studiums.

Die Bewerbung zur Teilnahme ist bis zum 19. Mai 2024 möglich, wenden Sie sich bei Interesse an forschung@skd.museum.
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