Als sich 2019 Rembrandts Todestag zum 350sten Mal jährte, feierte das Kupferstich-Kabinett einen der bedeutendsten niederländischen Künstler seiner Zeit. Der Blick war auf Rembrandts Strich gerichtet, mit dem er frei und treffsicher religiöse, mythologische oder alltägliche Szenen vorstellte. Er steht für die wiedererkennbare Handschrift, für die Lebendigkeit in den Erzählungen und für die „Spur“, die sein Werk in der Kunst nachfolgender Jahrhunderte hinterlassen hat. Das Dresdner Kupferstich-Kabinett bewahrt fast das komplette druckgrafische Werk in vorzüglichen Abzügen und eine herausragende Gruppe von Zeichnungen. In der Druckgrafik beschritt Rembrandt neue Wege, experimentierte mit dem Kontrast, variierte Radierung, Kaltnadel und Stichel. Auffallend ist die Vielzahl der Bearbeitungszustände und der Papiere als Bildträger, welche einzelne Abzüge zu Unikaten machen. Motivisch herausragend sind die frühen radierten Selbstbildnisse, in denen Rembrandt sich übermütig mit verschiedensten Gesichtsausdrücken und in unterschiedlichen Posen darstellte, aber auch der emphatische Blick auf tradierte Bildschöpfungen wie Adam und Eva, mit denen wir mitfühlen dürfen. So wurde Rembrandt zum peintre-graveur, zum innovativen Bilderfinder mit den Mitteln der Druckgrafik. Unter den Zeichnungen befinden sich das berühmte Blatt, das im Zusammenhang mit dem Gemälde „Die Entführung des Ganymed“ aus der Gemäldegalerie Alte Meister entstanden ist, sowie das Bildnis seiner Frau Saskia im Bett sitzend, das erlittene Schicksal dem Blick eingeschrieben. Sie führen die Lebendigkeit des Strichs und die Freiheit der Bilderfindung vor Augen. Auch die verschiedenen Medien gilt es zu entdecken. Für die Zeichnung verwendete Rembrandt rote und schwarze, manchmal auch weiße Kreide oder Bleiweiß sowie die beiden flüssigen Malmittel Eisengallustinte und Bister. In der Druckgrafik gilt es, die Nuancen von Schwarz zu beachten, die Samtigkeit in Kaltnadelarbeiten oder die Sprödigkeit in den Radierungen.

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