Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer 52115 a, b
Ort, Datierung
Abmessungen
8,0 x 4,3 x 10,0 cm
Inventarnummer
52115 a, b
Emma von Seckendorff war Tochter des Sprachwissenschaftlers und Diplomaten Paul Georg von Moellendorff (1847-1901). Seit 1903 war sie mit Oskar von Seckendorff-Gutend, einem ehemaligen Leutnant im Ostasiatischen Expeditionskorps und in der Besatzungsbrigade, verheiratet. Dieser war von 1903 bis 1906 als Militärinstrukteur in Jinan tätig und danach als Deutschlehrer an der dortigen Hochschule. 1907 trat er in den chinesischen Seezolldienst ein.
Im Jahr 1958 übereignete Emma von Seckendorff dem Museum für Völkerkunde Dresden etwa 157 ostasiatische Kulturzeugnisse, die zum Teil aus dem Erbe ihres Vaters stammen, zum Teil aber auch von ihr selbst erworben worden sind. Darunter befinden sich diese Frauenschuhe. Diese Art von Schuhen bezeichnet man im Chinesischen als gongxie (弓鞋 „bogenförmige Schuhe“). Sie wurden von Frauen mit gebundenen Füßen getragen.
Fast tausend Jahre lang praktizierte das Han-Volk in China das Abbinden von Mädchenfüßen, um diesen die „ideale“ Gestalt einer Lotus- oder Lilienblüte zu verleihen. Die schmerzhafte Prozedur der Fußdeformation entstand zunächst in Hofkreisen und wurde in anderen Gesellschaftsschichten nachgeahmt. Abgebundene Füße galten als Statussymbol. Die enorme Einschränkung der Bewegungsfreiheit band die Frauen ans Haus. Die „Lilienfüße (lianzu 蓮足)“ wurden mit aufwendig gearbeiteten Seidenschuhen wie diesen geschmückt. Stickereien symbolischer Bedeutung übermittelten die Wünsche der Hersteller. Zwar wurde bereits im 19. Jahrhundert das Füßeabbinden verboten, einige Familien bewahrten die Tradition jedoch bis in die 1930er Jahre. Die letzte Werkstatt, die Schuhe für „Lilienfüße“ herstellte, schloss 1999. (MVL, Yu Filipiak, 04.10.2022)
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