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Ort, Datierung
Afrika, Togo, vor 1901
Material und Technik
Abmessungen
3,5 x 3,5 x 7 cm (a), 2,5 x 2,7 x 2,7 cm (b)
Inventarnummer
MAf 06981 a, b
Dieses Objekt ist Teil der Kollektion des Projektes "Provenienz von kolonialzeitlichen Sammlungen aus Togo”: Link der Kollektionsseite.

Angeblich handelt es sich hierbei um eine Bogenspannvorrichtung. Der Daumenring mit eingeritztem Ornament sowie die Zeigefingerschelle wurden aus Eisen geschmiedet. Laut Dr. Ohiniko M. Toffa ist dies ein Musikinstrument für traditionelle Feste, welches auch als Waffe zur Jagd oder im Krieg eingesetzt wurde. In Kriegszeiten wurde mit den damit erzeugten Geräuschen Alarm geschlagen. Dr. Emery P. Effiboley ist der Meinung, dass es als Instrument von, z.B. den Betambaribe in Nordwest Bénin und Nordost Togo gespielt wurde und fügt hinzu, dass es ihm als Bogenspannvorrichtung unbekannt ist.
Auf dem Katalogzettel wurde "Moba etc." (Selbstbezeichnung Bimoba) vermerkt. Hans Gruner schenkte das Objekt im Jahr 1901 dem Museum. Hans Gruner (1865-1943) war Naturwissenschaftler und von 1892-1914 Kolonialbeamter in der deutschen Kolonie Togo. Er hatte u.a. die Leitung der Station "Misahöhe" (1892-1896 und 1899-1914) und "Sansanné-Mango"(1896-1899), sowie der "Deutschen Togo-Hinterland-Expedition" (D.T.E.) von 1894-1895 inne und war Teil zahlreicher anderer sog. Strafexpeditionen. Gruner schenkte dem Museum 168 Objekte. Die Waffen wurden wahrscheinlich als Kriegsbeute erworben. Bei religiösen und geheimen/ heiligen Objekten sowie denen, die hochrangigen Persönlichkeiten gehörten, ist es unwahrscheinlich, dass diese freiwillig abgegeben worden sind.
Das Reich der Bimoba befand sich nördlich und westlich von Sansanné-Mango. Als Gruner dort Stationsleiter war, befiehlt er Oberleutnant Gaston Thierry im November 1897 die Route von Sansanné-Mango nach "Mossi", ein Gebiet um Ouagadougou im heutigen Burkina Faso, gegen die angeblichen Räubereien der Bimoba abzusichern. Thierrys Truppen brennen drei Ortschaften nieder und versuchen die Bimoba in kriegerischen Auseinandersetzungen zu unterwerfen. Im Februar 1898 zieht Thierry erneut gegen die Bimoba in den Krieg und überfällt die Menschen in der Landschaft Dapaong. Während dieser Kriege könnte Thierry Eigentum der Bimoba entwendet und Hans Gruner überreicht haben. Das Schenken von Kriegsbeute war zwischen Kolonialverbrechern nicht unüblich. Allerdings zieht Hans Gruner am 06. Mai 1899 auch selbst in den Krieg gegen die Bimoba. Auch er marschiert bis in den Norden zu den Ortschaften Dapaong und Kantindi, um die Bevölkerung gewaltsam zu unterwerfen. Am 30. Mai kehrt Gruner zurück nach Sansanné-Mango. (Trierenberg 1914) Somit wäre es wahrscheinlich, dass die den Bimoba zugeordneten Objekte in der Sammlung Gruners auf diese sogenannte Strafexpedition zurückzuführen sind. (MVL, Marlena Barnstorf-Brandes, 10.01.2023)
Kultureller Kontext
Moba (Herstellung)
Reproduktion
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