Vorschaubild des Elementes mit der Inventarnummer 6073 b
Ort, Datierung
Material und Technik
Abmessungen
59,5 x 42 cm
Inventarnummer
6073 b
Sammlung Otto Link, Leipzig. -
Der Bärenfelser Kasper Paul Hölzig (1911-1989) stammte aus einer bürgerlichen Dresdner Familie. Das Gymnasium brach er ab, ging zum Wanderzirkus und wandte sich 1933 dem Puppenspiel zu. Er firmierte zuerst als „Künstler-Puppenspiele der Dresdner Kasperl-Bühne“ und ab etwa 1938 als „Das Dresdner Puppenspiel – Künstlerische Handpuppenspiele“. Im Auftrag der NS-Organisation „Kraft durch Freunde“ entwickelte Hölzig ab 1937 erfolgreich einen Abendspielplan, sogar auf den Kreuzfahrtschiffen der KdF wurde er engagiert. Ab 1939 im Rahmen der Truppenbetreuung der Wehrmacht eingesetzt, verlegte die Bühne ihren Sitz 1943 ins besetzte Polen. Als „Wartheländer Puppenspiele“ reiste Hölzig allerdings nur bis 1944. Er kehrte nach Dresden zurück, wo beim Luftangriff im Februar 1945 die Bühne mit den Puppen des Hohnsteiner Schnitzers Theo Eggink fast völlig verloren ging. 1946 setzte Hölzig in seinem Wochenendhaus in Bärenfels seine Arbeit unter dem Namen Bärenfelser Puppenspiele fort. Die Köpfe seiner Puppen entstanden jetzt in eigener Werkstatt durch den Schnitz Hellmuth Lange, der den Hohnsteiner Stil kopierte. Hölzig galt neben Carl Schröder und Hans Frannek als bester Puppenspieler der DDR. Er war so erfolgreich, dass er 1951 mit der Schaffung der Stabpuppeninszenierung „Der fröhliche Sünder“ beauftragt wurde. Die Übernahme in staatlichen Besitz misslang, Hölzig fiel in Ungnade. 1956 verließ er die DDR in Richtung Westen und reiste hier noch mehrere Jahre mit seiner Puppenbühne. Später betrieb er in Hessen eine technografische Firma, die jedoch mit der technischen Entwicklung nicht mithalten konnte.
Signatur, Bezeichnung, Inschriften
Ausführung Seering Dresden; III-9-3 951 6 Landesdruckerei Sachsen, Dresden; 753185/51

Sammlung Otto Link, Leipzig.
Otto Link (1888-1959) stammte aus Bromberg in Westpreußen, einer deutschen Stadt, umgeben von polnisch bevölkerten Dörfern. Er war Katholik und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als Lehrer in Dorfschulen setzte er sich mit den kulturellen Gegensätzen auseinander. Er konnte polnisch und verstand auch andere slawische Sprachen ein wenig. Als seine Heimat 1919 zu Polen kam, wurde er an eine Leipziger Schule versetzt. Hier entdeckte er das Puppenspiel für sich, zunächst als Laienspieler im schulischen und außerschulischen Rahmen, dann als Redakteur der Zeitschrift „Das Puppentheater“, schließlich als Sammler und Forscher. Als international vernetzter Demokrat und SPD-Mitglied wurde er 1933 gemaßregelt, behielt aber weiterhin Distanz zum NS-Regime. Nicht einmal dem NS-Lehrerbund trat er bei, was sehr ungewöhnlich war und seiner schulischen Kariere schadete. Er gab das Spielen auf und konzentrierte sich auf das Sammeln. Am 1. April 1935 begann er mit dem ersten Inventarbuch. Ohne zu werten, trug er Materialien mit nationalistischem, nazistischem, kommunistischem und demokratischem Hintergrund zusammen. 1945 wurde Otto Link als einer der wenigen unbelasteten Lehrer Schulleiter und verlor diesen Posten wieder, als er sich weigerte SED-Mitglied zu werden. 1952 übereignete er seine private Sammlung dem Land Sachsen und wurde bis zu seinem Tode erster Leiter der „Staatlichen Puppenspielsammlung Dresden“ (später Puppentheatersammlung). Nach 1945 führte Otto Link keinerlei „Bereinigungen“ seiner Sammlung aus politischen Gründen durch, da er der Überzeugung war, dass das Material der Wissenschaft unverfälscht zur Verfügung stehen muss. Kleinere Vernichtungsaktionen, Überklebungen und Ausradierungen gab es erst unter seinen Nachfolgern, die niemals eine Demokratie erlebt hatten. In Otto Links Tradition wird die Sammlung heute fortgeführt.

Creditline
Puppentheatersammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Reproduktion
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