Kurfürst Christian I. erhielt dieses „Nöhe Lädtlein“ (Nähkästchen) am 28. Februar 1590 als Neujahrsgeschenk von seiner Schwiegermutter, Kurfürstin Elisabeth von Brandenburg. Das Kunstkammerinventar von 1595 liefert neben dieser Angabe zur Provenienz auch eine detaillierte Beschreibung der im Innern befindlichen Gegenstände, wie Schreib- und Nähutensilien, zwei Spiegel, drei Perlmutterlöffel sowie ein „schlagend Uhrlein, so man am Halß tragen kann“. Auch wenn sich diese Utensilien heute nicht mehr erhalten haben, so lohnt sich der Blick ins Innere der Prunkkassette, denn das Schubladensystem mit seiner durch Edelsteine und verschiedenste Zierelemente reich geschmückten textilen Bespannung erstrahlt nach wie vor in frischem Glanz. Auch das Äußere der Kassette zeichnet sich durch üppigen Zierrat aus, wobei die eher unkonventionelle Kombination verschiedenster Materialien und Techniken ins Auge fällt. Auf dem mit Stoff bespannten Holzkern wechseln sich gegossene und geprägte Silberbeschläge mit Friesen und textilen Goldborten ab; die vier Füße in Form von Granatäpfeln bestehen aus einer kittartigen Masse. Gepolsterte, mit Stoff bezogene Holzunterkonstruktionen sorgen zwar für Plastizität, beeinträchtigen dabei allerdings die Stabilität des schweren Behältnisses, was die deutlich erkennbaren Veränderungen an der Außenseite bedingt haben mag. In Aufbau und Bildprogramm steht die Kassette den Arbeiten aus der Werkstatt des berühmten Nürnberger Goldschmieds Wenzel Jamnitzer nahe, dessen Prunkkästchen bei fürstlichen Sammlern jener Zeit hoch im Kurs standen. Während sich diese allerdings durch ihre streng strukturierte architektonische Form auszeichnen, sind bei der Dresdner Kassette die architektonischen Elemente versatzstückartig aneinandergereiht. Auch der bereits erwähnte eher „ungoldschmiedische“ Einsatz von vorgefertigten Metallelementen und viel Stickerei macht das Dresdner Stück zu einem gleichermaßen kuriosen wie hochrangigen Kunstwerk.
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