Uhr, bekrönt von einem Bergsänger

Köhler, Johann Heinrich (1669-1736) - Juwelier
Ort, Datierung
Abmessungen
H 15,3 cm, Fuß: 6,7 x 6,0 cm
Inventarnummer
VI 101
Nur noch der dunkelgrüne Schachthut, das außen rot gefärbte Hinterleder und die in ihrer Funktionalität deutlich reduzierten Kniebügel weisen den Musikanten als Bergmann aus. Sein festlich schwarz-weißes Livree verbindet diese typischen Teile der sächsischen Bergmannstracht mit den schwarzen Schuhen, dem rosa bestickten Umlegetuch und den aus einer Barockperle bestehenden Hosen eines bürgerlichen Habits. Der breitbeinig dastehende Mann spielt eine Cister, ein damals bei Laienmusikern beliebtes Zupfinstrument. Gleichzeitig hat er den Mund zum Singen geöffnet und den Kopf leicht nach rechts gehoben. Der Musiker steht auf einem naturgewachsenen Malachit, der unter seinen Füßen wie ein kostbarer Felsen erscheint. Fundstätten dieses Edelsteins befinden sich nicht im damaligen sächsischen Herrschaftsgebiet, wohl aber im angrenzenden thüringischen Saalfeld und Schmalkalden. Musizierende Bergleute lassen sich in Verbindung mit dem sächsischen Hof schon unter Kurfürst August im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts nachweisen. Zunächst wirkten sie nur als Vokalmusiker. Seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde es üblich, dass ein Cisterspieler eine Gruppe von Bergsängern bei ihrem Gesang begleitete. Mit dem Regierungsantritt Kurfürst Friedrich Augusts I. dienten ganze Gruppen "Churfürstlicher Bergsänger" der Unterhaltung am Dresdner Hof und traten auch immer wieder bei den kurfürstlich-königlichen Festveranstaltungen auf. Dieser spezifisch sächsische Beitrag zur Musikgeschichte wird durch Johann Heinrich Köhlers künstlerisch hervorragende Perlfigur gewürdigt. In der einfühlsamen Beobachtung des innigen, von einem Instrument begleiteten Gesanges ist der Bergsänger der Tänzerin mit Kastagnetten (VI 102) verwandt.
Zugeordnete Objekte
E 48 Etui zu Uhr, bekrönt von einem Bergsänger (gleichrangig)
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